Imagico.de

blog

Die Saga der FOSSGIS-Mitgliedsbeiträge

| 4 Kommentare

Ich hatte eigentlich bereits beschlossen, diesen Blogbeitrag nicht zu schreiben – die Entwicklungen haben mich jetzt jedoch dazu verleitet, diese Entscheidung zu revidieren. Aber ich möchte in der korrekten Reihenfolge beginnen, damit alle gedanklich folgen können, auch diejenigen, die keine FOSSGIS-Mitglieder sind und deshalb von diesen Dingen vermutlich bis jetzt kaum etwas mitbekommen habe.

Vorgeschichte

Der FOSSGIS-Verein hat historisch im Grunde als Interessenvertretung der professionellen Entwickler und Anwender von freier und Open-Source Software im GIS-Bereich begonnen. Die Vereins-Ziele waren allerdings von Anfang an deutlich breiter definiert und der FOSSGIS hat sich während meiner Zeit eigentlich immer durch eine Offenheit gegenüber Aktivitäten außerhalb dieses Kernbereiches gezeigt, was ich immer als sehr positiv empfunden habe. Das galt aber am Ende nur, so lange die Dominanz der professionellen Interessen nicht in Frage gestellt wurde. Sprich: Die ja im FOSS-Bereich ganz generell recht große Bedeutung von Entwicklung und Anwendung im nicht professionellen, privatem Bereich war zwar akzeptiert und anerkannt, aber im Verein ganz klar als dem professionellen Bereich untergeordnet platziert – etwas, was in der globalen FOSS-Community nicht generell der Fall ist.

Ende 2017 wurde dann der FOSSGIS-Verein eine lokale Vertretung für OpenStreetMap für Deutschland. Damit wurde die Dominanz der professionellen Interessenvertretung im Verein eigentlich unmittelbar in Frage gestellt und es hätte eigentlich die Möglichkeit bestanden, dass die deutsche OSM-Mapper-Community den Verein übernimmt. Dies fand nicht statt, und zwar in erster Linie aus drei Gründen:

  • OpenStreetMap war bereits zuvor ein wichtiges Thema im Verein, insbesondere auch unter professionellen Entwicklern und Anwendern. Es war also nicht so, dass OpenStreetMap völlig neu in den Verein kam und OSM-Aktive dort ein unbestelltes Feld vorfanden, sondern das Thema war dort schon etabiert und in die professionell geprägten Strukturen des Verein integriert.
  • Die deutsch Mapper-Community war und ist – obwohl sie weltweit zu den größten und aktivsten lokalen Communities zählt – sehr individualistisch und sehr wenig organisiert. Die überwältigende Zahl der Mapper in Deutschland ist zufrieden damit, einzeln für sich zu mappen und verspürt über eventuelle lokale Stammtisch-Treffen hinaus keinerlei Bedarf, sich zu organisieren und zu engagieren, schon gar nicht dort, wo es noch keine fertigen Strukturen gibt, sondern man etwas neu aufbauen muss.
  • Die Hürden für die formelle Mitgliedschaft im Verein waren insbesondere am Anfang 2017-2018 recht hoch, man musste einen schriftlichen Mitgliedsantrag (auf Papier) einreichen und einen Mitgliedsbeitrag leisten, der mit EUR 30 pro Jahr beim doppelten des Beitrags für die OSMF lag. Damit lag die Zahl der Hobby-Mapper, die aufgrund der neuen Funktion des FOSSGIS in den ersten Jahren in den Verein eingetreten sind, vermutlich deutlich unterhalb der Zahl bestehenden professionellen Mitglieder mit OSM-Bezug. Daneben war (und ist nach wie vor) eine Mitsprache bei formellen Entscheidungen des Vereins de fakto an eine physische Anwesentheit bei der Jahres-Hauptversammlung gebunden. Eine Online-Teilnahme ist nicht vorgesehen (mit Ausnahme der COVID-Jahre durch eine gesetzliche Sonderregelung) und eine Delegation von Stimmen ist nur sehr begrenzt möglich (ein anwesendes Mitglied kann nur eine Stimme delegiert bekommen).

Damit war also nicht nur eine Übernahme des Vereins durch die OSM-Commmunity praktisch ausgeschlossen, de facto haben die Hobby-Mapper im Verein auch so gut wie kein Gewicht.

2020 hat die Mitglieder-Versammlung dann beschlossen, den Mitgliedsbeitrag für Einzelpersonen von EUR 30 auf EUR 40 zu erhöhen. Gleichzeitig wurde der Mitgliedsbeitrag für Firmen-Mitgleider von EUR 100 auf EUR 200 verdoppelt und die Schaffung einer permanenten bezahlten (Teilzeit-)Stelle im Verein für administrative Arbeiten beschlossen. Ich war damals nicht auf der Versammlung, kann also über die Diskussion dort nichts berichten, was über das Protokoll hinaus geht (Wer sich erinnert: das war damals die legendäre FOSSGIS-Konferenz quasi am Vorabend des ersten Pandemie-Lockdowns).

Die bezahlten Arbeiten im Verein, die sich bis dahin auf interne, administrative Funktionen beschränkten, wurden dann, 2023, um eine sogenannte OSM-Beratungsstelle erweitert (siehe hier – die Details zur Aufgabenbeschreibung sind anscheinend mittlerweile depubliziert). Diese und die Ideen dahinter und deren praktische Entwicklung wären Thema für einen eigenen Beitrag, ich lass das hier der Kürze wegen weg. Zusammen mit der Ankündigung der Schaffung einer weiteren Position vor einem Monat für die Entwicklung eines Angebotes von OpenStreetMap-Schulungen im Rahmen des FOSSGIS kann man sagen, dass der Verein zunehmend im Bereich Dienstleistungen zu OpenStreetMap tätig wird, und dabei in erster Linie auf bezahlte Arbeit setzt. Die Versuche, dafür Geld einzuwerben, scheinen durchwachsen zu sein – die Idee eines Förderprogrammes, welche auf der Mitgliederversammlung 2025 vorgestellt wurde (ich hatte darüber geschieben) scheint nicht sonderlich gut zu laufen – stattdessen scheint man verstärkt zu versuchen, sich um öffentliche Fördermittel zu bemühen. Bemerkenswert ist dies vor allem in Anbetracht des breiten Spektrums an unbezahlter Beratungs- und Lobbying-Arbeit, welche seit vielen Jahren durch die Hobby-Mapper-Community geleistet wird, und welche jetzt natürlich den bezahlten Aktivitäten im FOSSGIS gegenüber steht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der FOSSGIS sich zunehmend als OpenStreetMap Deutschland präsentiert und damit einen Vertretungsanspruch für die deutsche OSM-Community impliziert. Dies wird auf der einen Seite auch in der öffentlichen Kommunikation des Vereins unterstrichen, wo man von Uns, der Community spricht, sich aber gleichzeitig auch gegen die Community abgrenzt und der Verein als Verbindung zur Community dargestellt wird.

Der Mitglieds-Beitrag

So weit zur Vorgeschichte. Vor der diesjährigen Mitglieder-Versammlung hat dann der Vorstand einen Vorschlag an die Mitglieder verschickt, den Mitgliedsbeitrag abermals zu erhöhen, und zwar auf EUR 60 – also zusammen mit der vorherigen Änderung eine Verdoppelung innerhalb von sieben Jahren, und es würde den FOSSGIS bei der Höhe der Mitgliedsbeiträge unter den OSMF local chapters ziemlich an die Spitze katapultieren. Ich war auch dieses Jahr nicht auf der FOSSGIS-Konferenz, also auch nicht auf der Mitglieder-Versammlung, aber es gab anscheinend eine Diskussion und der Vorschlag des Vorstandes wurde nicht angenommen, stattdessen wurde der Vorstand beauftragt, eine Online-Mitglieder-Versammlung zu initiieren, auf der das Thema diskutiert und ein Beschluss gefasst werden soll.

Ich hatte nach der ursprünglichen Ankündigung und der von mir erwarteten Zustimmung der Mitglieder-Versammlung bereits beschlossen, das als Anlass dafür zu nehmen, meine Mitgliedschaft im FOSSGIS zu beenden, war aber jetzt angenehm überrascht, dass es anscheinend nicht nur eine kritische Diskussion zu dem Vorschlag gab, sondern dass auch beschlossen wurde, die Sache zumindest innerhalb des Vereins so breit wie möglich zu diskutieren. Und ich möchte mit diesem Beitrag versuchen, diese Diskussion auch für die OSM-Community außerhalb des Vereins zu öffnen. Ob das am Ende dann gehört wird, ist natürlich offen. Bei Vereins-internen Diskussionen in den vergangenen Jahren haben Vereins-Aktive, auch aus dem Vorstand, immer wieder durchblicken lassen, dass sie möchten, dass Entscheidungen des Vereins ausschließlich innerhalb des Vereins entschieden werden und Diskussionen außerhalb nicht erwünscht sind.

Zur Einordnung der Beitragshöhe: Der normale Mitgliedsbeitrag beim FOSSGIS von derzeit EUR 40, vorgeschlagen zukünftig EUR 60, ist für Erwerbstätige. Für nicht Erwerbstätige gibt es einen reduzierten Beitrag von derzeit EUR 10, vorgeschlagen zukünftig EUR 15. Der Verein definiert Erwerbstätigkeit nicht, das Ganze ist eine Selbst-Deklaration. Diese Unterscheidung ist, insbesondere in Deutschland mit seiner derzeitigen Demographie, schon ein ziemlicher Stinkefinger für Leute, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen, während Leute, die Aufgrund von substantiellem Nicht-Erwerbs-Einkommen nicht arbeiten müssen, weniger zahlen müssen – unabhängig davon, ob dieses Einkommen höher oder niedriger ist, als das Erwerbs-Einkommen der Erwerbstätigen.

Betrachten wir den Jahresbeitrag im Vergleich zu anderen professionellen Vereinigungen und Interessenverbänden in Deutschland dann ist selbst EUR 60 nicht sonderlich hoch. Interessanter ist der Vergleich im OSM-Umfeld. Hier mal die Jahres-Beiträge für Individuen für diverse Organisationen:

  • OSMF: GBP 15, kostenlos für OSM-Aktive
  • OSM Frankreich: EUR 20
  • OSM Schweiz: CHF 20
  • OSM Österreich: kostenlos
  • OSM UK: GBP 5
  • OSM US: USD 20
  • OSGeo Oceania: kostenlos
  • OSM Belgium: kostenlos
  • Wikimedia Italia: EUR 25
  • Stowarzyszenie OpenStreetMap Polska: PLN 50 (EUR 12)
  • Asociación de Cartografía Colaborativa de Colombia: COP 350 (EUR 82), COP 175 (EUR 41) für OSM-Aktive

Kurz: Selbst mit den derzeitigen EUR 40 ist der FOSSGIS in der absoluten Spitzengruppe im OSM-Bereich, mit EUR 60 wäre man das teuerste OSMF local chapter für OSM-Aktive. Im Bereich westlicher Länder mit größerer Mapper-Community sogar mit einem gewaltigen Abstand.

Das häufigste Argument für hohe Individual-Mitgliedsbeiträge, dass ich gewöhnlich höre, ist, dass sich der Verein nicht von der Finanzierung durch externe Interessen abhängig machen möchte. Dieses Argument zieht aber nur, wenn ein Verein sich ernsthaft bemüht, mit den begrenzten Zuwendungen, die die Einzel-Mitglieder in der Lage und bereit sind, zu geben, auch sparsam zu haushalten. Das ist aber beim FOSSGIS ganz klar nicht der Fall. Die prognostizierten Individual-Mitgliedsbeiträge summieren sich beim FOSSGIS selbst mit einer Beitrags-Höhe von EUR 60 auf unter EUR 20k. Damit kann nicht mal die 2020 geschaffene Stelle für administrative Arbeiten finanziert werden. Ich persönlich finde die Idee eines Vereins OpenStreetMap Deutschland, welcher sich aus Individual-Beiträgen finanziert und nicht für regelmäßige Ausgaben von Finanzierung durch externe Interessen abhängig ist, durchaus reizvoll. Aber dafür wäre es notwendig, den Verein praktisch vollständig auf ehrenamtlicher Arbeit aufzubauen. Der FOSSGIS hat sich schon vor vielen Jahren, spätestens 2020, ganz klar dagegen entschieden. Da jetzt damit zu kommen, dass die Beitragserhöhung irgendwie eine finanzielle Unabhängigkeit sichert, passt nicht zur wirtschaftlichen Realität des Vereins.

Was bei der ganzen Frage immer im Raum steht, ist das in der Vorgeschichte beschriebene Spannungsfeld im FOSSGIS zwischen der professionellen Interessenvertretung für FOSS-Anwender und -Entwickler, einschließlich solcher mit OSM-Bezug, und dem Anspruch, die Vertretung der deutschen Hobby-Mapper-Community zu sein. Ein hoher Mitgliedsbeitrag bewirkt – unabhängig ob so intendiert, oder nicht – dass die Anzahl der Mitglieder ohne professionelle Interessen im Verein gering bleibt. Der Verein mag so zwar die ernsthafte Absicht haben, auch die Interessen der deutschen OSM-Community zu vertreten, es handelt sich aber dabei ganz klar nicht um eine demokratische Vertretung durch Repräsentanten aus der Mitte der Community selbst, sondern durch Träger eigener professioneller Interessen, welche nicht zwingend mit den kollektiven Interessen der Community übereinstimmen, sondern diese bestenfalls als wohlwollender Treuhänder wahrnehmen (aber mit unvermeidlichen Interessenkonflikten).

Mein Vorschlag

Ich denke, der FOSSGIS-Verein steht hier an einem Scheideweg. Der latente Konflikt, der Ende 2017 damit begonnen hat, dass der FOSSGIS formell zur lokale Vertretung für OpenStreetMap in Deutschland geworden ist und den der Verein über acht Jahre nicht wirklich aufgelöst hat, könnte sich hier definitiv entscheiden. Wird sich der Verein substantiell der Hobby-Mapper-Community in Deutschland öffnen – in dem Sinne, dass Mapper nicht nur willkommen sind, sich in die bestehende Vereinskultur zu assimilieren, sondern auch in dem Sinne, dass sie den Verein tatsächlich mit ihrer eigenen Kultur erweitern und umgestalten? Oder wird der Verein zwar das Aushängeschild OpenStreetMap Deutschland weiter vor sich her tragen, aber ausschließlich als Label für seine eigenen professionellen Aktivitäten und die seiner Mitglieder?

Dass diese Frage nicht ausschließlich von den Entscheidungen im FOSSGIS abhängt, sondern auch davon, ob die Mapper-Community in Deutschland es schafft, sich unabhängig von professionellen Interessen nachhaltig zu organisieren, hatte ich ja bereits erwähnt. Aber man macht es sich im FOSSGIS zu einfach, wenn man behauptet, dass man ja offen ist für alle, die sich engagieren wollen. Denn das stimmt – wie gesagt – nur für diejenigen, die bereit sind, sich weitreichend an die bestehende Vereinskultur anzupassen.

Vor diesem Hintergrund wäre mein Vorschlag für die Mitglieds-Beiträge:

  • die Unterscheidung Erwerbstätige/nicht Erwerbstätige abschaffen.
  • den normalen Mitgliedsbeitrag senken, dadurch ein Signal senden, dass man sich explizit gegenüber FOSS-Anwendern/Entwicklern und Mappern ohne wirtschaftliche Interessen im Verein öffnet. Vorschlag: EUR 30.
  • für OSM-Aktive (man könnte hier die Definitionen der OSMF übernehmen) einen deutlich reduzierten Beitrag festlegen. Vorschlag: EUR 10.
  • einen Förder-Beitrag für Individual-Mitglieder schaffen, vorgesehen für alle, welche substantielles Einkommen aus FOSS-Entwicklung, FOSS-Anwendung oder der Verwendung von OSM-Daten beziehen, aber darüber hinaus auch offen für alle Mitglieder auf freiwilliger Basis. Vorschlag: EUR 90.
  • Unternehmens-Mitgliedschaften gestaffelt nach Mitarbeiter-Anzahl/Umsatz. Der Vorschag aus der Mitglieder-Versammlung scheint hier sinnvoll mit Ausnahme der Idee für Solo-Selbstständige. Die Idee, dass ein abhängig Beschäftigter mit FOSS/OSM-Bezug generell einen geringeren Mitglieds-Beitrag zahlen soll, als Selbstständige, scheint mir nicht sachlich begründbar. Genausowenig die alternative Lesweise, dass Solo-Selbstständige neben der Individual-Mitgliedschaft noch eine unabhängige Unternehmens-Mitgliedschaft haben können/sollen. Eine Förder-Mitgliedschaft für alle Mitglieder mit professionellem FOSS/OSM-Bezug scheint mir deshalb sinnvoller.

Daneben – und das ist im Grunde wichtiger als die Mitglieds-Beiträge – wäre es von fundamentaler Bedeutung dafür, dass der FOSSGIS sich ernsthaft als Vertretung von OpenStreetMap in Deutschland darstellen kann, dass alle Aktivitäten des Vereins mit OSM-Bezug für die breite Beteiligung der deutschen OSM-Community geöffnet werden und keine geschlossenen Veranstaltungen nur für Mitglieder des Vereins sind. Ich halte das für sehr wichtig, sehe aber auch, dass diese Idee im Verein sehr wenig populär sein dürfte. Die Art und Weise wie in der Vergangenheit oft kommuniziert wurde: Das regeln wir vereinsintern, da haben Externe nichts mitzureden, spricht da eine recht deutliche Sprache. Aber wirklich substantielle Veränderungen gibt es halt nicht ohne Konflikte.

Zum Abschluss

Ich hoffe, dass diese Ausführungen den OSM-Aktiven in Deutschland, welche nicht Mitglieder im FOSSGIS sind, einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen im Verein gibt, der sich auch als ihre Vertretung präsentiert. Und dass meine Vorschläge vielleicht vor diesem Hintergrund Unterstützung oder zumindest positive Resonanz finden dahingehend, dass sie andere, insbesondere Hobby-Mapper, dazu animieren, ihre eigenen Ideen zu artikulieren.

Vielleicht stößt das Ganze damit, dass ich es hier öffentlich diskutiere, ja auch international auf Resonanz. Die Ausnahme-Position, in die sich der FOSSGIS mit einem Jahresbeitrag für normale Mapper von EUR 60 in der weltweiten OSM-Community platzieren würde, habe ich ja dargestellt.

Was ich daneben auch anmerken möchte ist, dass ich – und das habe ich auch in der Vergangenheit mehrmals betont – die offene Diskussions-Kultur im FOSSGIS-Verein als etwas sehr Positives wahrnehme. Sie ist allerdings bis jetzt fast vollständig auf Präsenz-Veranstaltungen begrenzt. Schafft es der Verein, diese Kultur auf digitalen Kanälen und über die Grenze der Vereins-Mitgliedschaft zu öffnen, hätte dies enormes Potential für eine produktive Zusammenarbeit mit der OSM-Community, gerade auch über Deutschland hinaus. In diesem Sinne möchte ich auch diesen Beitrag verstanden wissen – ich sehe zwar die Konflikte, wie ich sie hier herausgestellt habe, aber ich sehe auch das enorme Potential der Verbindung – wenn denn der kollektive Wille im Verein besteht, sich anzupassen und zu öffnen und eine wirklich neue Vielfalt im Verein zu akzeptieren und zu unterstützen.

Update: Ich habe eine Formulierung oben in Reaktion auf einen Kommentar geändert – siehe Diskussion unten.

4 Kommentare

  1. Insgesamt sind hier ein paar richtige und gute Aussagen drin, aber ich lese zwischen den Zeilen für mich zu viel Negativität gegenüber dem FOSSGIS-Verein.

    Dass der Verein “zunehmend im Bereich Dienstleistungen zu OSM tätig wird”, halte ich für unzutreffend. Dass Aussagen auf der Vereins-Webseite auf die Goldwaage gelegt werden (“einerseits ‘wir’, andererseits ‘die Verbindung zur Community'”) ist zynisch; solche Sachen passieren eben, wenn ein Laden von Ehrenamtlichen geschmissen wird. Wenn der FOSSGIS sich stattdessen einen bezahlten Kommunikations-Profi leisten würde, der dafür sorgt, dass die Selbstdarstellung immer perfekt passt, wäre das vermutlich auch nicht recht.

    Dass der Verein einen hier heraufbeschworenen Konflikt “über acht Jahre erfolgreich aufzulösen vermieden hat” ist ebenfalls eine unnötige und unsachliche Spitze. Solche Formulierungen machen es zu leicht, den gesamten Beitrag als unsachliche Kritik abzustempeln und die hilfreichen Teile des Beitrags zu ignorieren.

    Ich finde, dass in der Kritik etwas zu kurz kommt, was der FOSSGIS für OSM – in Deutschland und insgesamt – tut; er betreibt ja z.B: das deutsche “UMap”, mehrere Server mit verschiedener Routing-Software (OSRM, Valhalla) sowie auch die Overpass-Server, die (wie man gerade jetzt, wo die Funktion durch AI-Überlastung beeinträchtigt ist, an den vielen Diskussionsbeiträgen im Forum sieht) von großem internationalen Nutzen in OSM sind. Der FOSSGIS hat in der Vergangenheit die OSMF finanziell unterstützt und war in Deutschland auch politisch aktiv, zum Beispiel als ein Entwurf für ein neues Waldgesetz kursierte, der das Mapping von Waldwegen von einer Genehmigung des Waldbesitzers abhängig gemacht hätte. Das sind lästige und oft zeitkritische Arbeiten, die von ehrenamtlich Tätigen nicht immer geleistet werden können. Wenn man die Mitgliedsbeiträge mit denen anderer Local Chapters vergleicht, sollte man fairerweise auch vergleichen, was denn mit dem Geld passiert.

    Außerdem habe ich den Eindruck, dass nicht-Erwerbstätige – vor allem Studierende und Personen, die bereits Rente beziehen – einen erheblichen Teil der OSM-Mappergemeinschaft ausmachen. Ist für die der FOSSGIS im internationalen Vergleich auch so teuer?

    Eine Reise zu einer Konferenz ist natürlich auch immer mit Kosten verbunden und nicht jeder kann sich das leisten; trotzdem möchte ich anmerken, dass “active contributors” für ein FOSSGIS-Ticket gar nichts zahlen müssen – auch das ist im internationalen Vergleich durchaus nicht selbstverständlich.

    Grundsätzlich wäre es natürlich toll, wenn der Verein mit einem niedrigen Mitgliedsbeitrag und stattdessen einer hohen Mitgliederzahl eine breite demokratische und finanzielle Basis schaffen könnte. Der Wikimedia Deutschland e.V. hat bei einem Normal-Beitrag von 24 Euro über 100.000 Mitglieder… aber die internationale OSMF bringt es trotz kostenloser Aktivmitgliedschaft auf nur 1.400 dieser kostenlosen und 1.300 der 15-Pfund-pro-Jahr-Mitglieder.

    Dem Gedanken, dass der Verein versuchen soll, sich für alle einzusetzen und nicht nur für die Mitglieder, stehe ich aus pragmatischen Gründen kritisch gegenüber. Ich erinnere mich an eine längere Diskussion im OSMF-Vorstand (vor > 10 Jahren) über das Thema; letzten Endes ist der Verein halt seinen Mitgliedern Rechenschaft schuldig und nicht einer wie auch immer unscharf definierten “Community”. Es wäre daher besser, wenn man dafür sorgte, dass jeder, der will, auch Mitglied werden kann, und von jenen, die mitreden wollen, dann diesen Schritt einzufordern: Wenn Du mit entscheiden willst, was wir tun, dann bekenne dich dazu, einer von uns zu sein; stell dich nicht daneben und sag “ich gehöre nicht zu denen, aber ich will ihnen gerne sagen, was sie machen sollen”. Das geht natürlich nur dann, wenn der Schritt zur Mitgliedschaft für jeden auch machbar ist; verhindert man ihn durch prohibitive Kosten, wird dieser Ansatz zynisch.

    • Danke für den Kommentar, es freut mich, dass mein Angebot zur öffentlichen Diskussion angenommen wird.

      Vorweg zunächst: Ich versuche ganz generell meine Texte so zu schreiben, dass man nicht zwischen den Zeilen lesen muss. Das hat primär zwei Gründe

      • Meiner Erfahrung nach ist Subtext in der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturkreisen, wie sie in der OSM-Community vorhanden sind, eine große Herausforderung und sehr anfällig für Missverständnisse.
      • Ich schätze meine eigenen Fähigkeiten, aktiv zwischen den Zeilen zu kommunizieren, als recht schlecht ein. Mir gelingt das eher selten.

      Auf der anderen Seite habe ich kein Problem damit, wenn man sich detailliert mit meinen Formulierungen beschäftigt, sie – wie Du es sagst – auf die Goldwaage legt. Das gibt mir am Ende Gelegenheit, meine Kommunikation zu präzisieren und Missverständnisse auszuräumen. Mit dem Vorwurf von zu viel Negativität zwischen den Zeilen kann ich hingegen eher wenig anfangen.

      Ich kann vielen Deiner Anmerkungen vorbehaltlos zustimmen, die materielle und organisatorische Unterstütung von OpenStreetMap durch den FOSSGIS ist unbestritten. Die Offenheit der FOSSGIS-Konferenz habe ich zwar nicht hier, aber in vergangenen Beiträgen mehrfach erwähnt. Der Hinweis auf die kostenlose Teilnahme für Aktive hier ist deshab sehr wertvoll.

      Es gibt aber auch einige Punkte, in denen ich ganz deutlich widersprechen möchte:

      Dass der Verein “zunehmend im Bereich Dienstleistungen zu OSM tätig wird”, halte ich für unzutreffend.

      Das kann ich nicht nachvollziehen. Dies und dies dokumentieren so wie ich das verstehe ganz klar eine zunehmende Tätigkeit im Bereich (bezahlter) Dienstleistungen zu OSM. Auf die Gefahr des Vorwurfes der Goldwaagen-Nutzung hin ganz konkret:

      Um diese aufzunehmen braucht es Öffentlichkeitsarbeit, Dokumentation, Erklärung, Organisation von Gesprächen, Diskussionen und die Ermöglichung echten Kontakts. Die Idee dies durch eine weitere Stelle im Hauptamt zu ermöglichen, wurde im Verein diskutiert und ist nun auf den Weg gebracht.

      Öffentlichkeitsarbeit, Dokumentation, Erklärung, Organisation von Gesprächen, Diskussionen sind – denke ich – Dienstleistungen, und sie sollen nach dieser Ankündigung durch den FOSSGIS über eine bezahlte Stelle erbracht werden.

      Und wir richten eine neue Teilzeitstelle im FOSSGIS ein, die sich um die Organisation der Schulungen kümmern soll: von der Werbung für das kommende Angebot und dem Austausch mit Organisationen, die an Schulungen interessiert sind, bis zur Durchführung der Anmeldungen und dem Schreiben von Rechnungen.

      Wenn das keine Dienstleistungen sind, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.

      Auch das ‘zunehmend’ sehe ich ausreichend belegt, das sind Entwicklungen der letzten paar Jahre, vorher gab es nichts Vergleichbares im FOSSGIS zu OSM.

      Dass Aussagen auf der Vereins-Webseite auf die Goldwaage gelegt werden (“einerseits ‘wir’, andererseits ‘die Verbindung zur Community’”) ist zynisch; solche Sachen passieren eben, wenn ein Laden von Ehrenamtlichen geschmissen wird.

      Zur Goldwaage hatte ich ja oben schon etwas gesagt. Für mich ist präzises Lesen der Kommunikation anderer ein Ausdruck von Respekt – ich versuche, genau zu verstehen, was gemeint ist und weise darauf hin, dass ich da einen inneren Widerspruch wahrnehme. Ich baue darauf keine große Argumentation und Kritik auf, das Ganze dient als Hinweis darauf, dass auch in der Außen-Kommunikation des Vereins das Spannungsfeld zwischen der professionellen Interessenvertretung und der Repräsentanz von OpenStreetMap in Deutschland erkennbar ist und nicht aufgelöst wird.

      Und der Text stammt von Jochen Topf. Ich kann natürlich nicht mit Sicherheit sagen, ob er diesen im Rahmen seiner bezahlten Tätigkeit für den Verein verfasst hat, dies ist aber in Anbetracht der Aufgaben der OSM-Beratungsstelle (siehe oben) zumindest naheliegend. Wenn ich das also nicht als Kommunikation eines einzelnen Ehrenamtlichen betrachte, sollte das – denke ich – nachvollziehbar sein.

      Dass der Verein einen hier heraufbeschworenen Konflikt “über acht Jahre erfolgreich aufzulösen vermieden hat” ist ebenfalls eine unnötige und unsachliche Spitze.

      Dass ich hier etwas heraufbeschwöre möchte ich zurückweisen. Ich habe meine Darstellung des latenten Konflikts zwischen der Rolle des FOSSGIS als professionelle Interessenvertretung und als Vertretung der Hobby-Mapper-Community in Deutschland denke ich recht vielfältig belegt. Und dies als einen latenten Konflikt wahrzunehmen ist auch keine isolierte Sichtweise von mir, das wird von vielen anderen – sowohl innerhalb, als auch außerhalb der FOSSGIS-Mitgliedschaft geteilt.

      Dass ich mit der zitierten Formulierung eine Kollektiv-Absicht der Vermeidung unterstelle und dies nicht belege, den Schuh zieh ich mir an, ich habe das im Text geändert. Ich habe da zwar durchaus in Gesprächen mit Vereinsmitgliedern Vermeidungs-Tendenzen beobachtet. Das auf eine kollektive Haltung zu extrapolieren schießt aber in der Tat über das Ziel hinaus. Danke für den Hinweis.

      Außerdem habe ich den Eindruck, dass nicht-Erwerbstätige – vor allem Studierende und Personen, die bereits Rente beziehen – einen erheblichen Teil der OSM-Mappergemeinschaft ausmachen. Ist für die der FOSSGIS im internationalen Vergleich auch so teuer?

      Aber mit welcher Begründung werden denn bei der Mitgliedschaft Studenten und Ruheständler gegenüber denen, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen (was ja wohl sowohl Auszubildende wie auch alle Arten von prekärer Erwerbsarbeit mit einschließt), pauschal finanziell begünstigt? Die Zeiten, dass Erwerbsarbeit in Deutschland ein solides finanzielles Auskommen garantiert, sind ja wohl schon lange vorbei.

      Und Wenn Du recht hast, dass eine erheblicher Teil der Hobby-Mapper in Deutschland nicht erwerbstätig sind (was ich für plausibel halte – was genau erheblich bedeutet mal dahin gestellt) dann bestätigt das im Grunde, dass die Hobby-Mapper im FOSSGIS sehr wenig Gewicht haben. Für die Nicht-Mitglieder die Zahlen: Laut Mitteilung des Vorstands zur MV hat der FOSSGIS 305 erwerbstätige und 38 nicht erwerbstätige Mitglieder.

      letzten Endes ist der Verein halt seinen Mitgliedern Rechenschaft schuldig und nicht einer wie auch immer unscharf definierten “Community”.

      Aber die Rechenschafts-Pflicht ist ein organisatorisch-juristisches Konzept. Inhaltlich ist der Verein zunächst vor allem seinen Zielen verpflichtet und nicht den Interessen seiner Mitglieder. Voraussetzung (und meiner Meinung nach die einzige Voraussetzung) für eine ernsthafte Mitgliedschaft sollte die Unterstützung für die Vereins-Ziele sein. Ich betrachte meine Rolle als FOSSGIS-Mitglied im Grunde nicht als Mitglied einer Organisation. Ich betrachte mich als Mitglied der offenen sozialen Gruppe der OSM-Community. Offen in dem Sinne, dass die Gruppe ihre Identität nicht durch die Abgrenzung gegenüber den nicht-Mitgliedern definiert, sondern durch geteilte Werte und Ziele. Siehe dazu auch meine Überlegungen zur OSMF-Mitgliedschaft. Wenn Du also sagst:

      Wenn Du mit entscheiden willst, was wir tun, dann bekenne dich dazu, einer von uns zu sein

      ist mir nicht klar, was Du genau hier mit der Bekenntnis meinst. Ich sehe zwei Möglichkeiten

      • Die Bekenntnis zu den Zielen des Vereins, sei es formell-deklarativ, sei es einfach durch praktische Handlungen, die den Vereins-Zielen zuträglich sind.
      • Die Bekenntnis zu einer Mitgliedschaft im Verein als Organisation im soziologischen Sinne, vor allem dadurch, dass ich mich der planvollen Verfolgung der Vereins-Ziele innerhalb des Vereins anschließe und mich dafür den formellen und informellen Regeln im Verein unterordne und mich dadurch von den nicht-Mitgliedern – die das nicht tun – abgrenze.

      Letzteres ist halt etwas, wozu ich nicht bereit bin und was ich – wie erläutert – als Anforderung für die Vertretung von OpenStreetMap in Deutschland für problematisch halte. Das bedeutet aber nicht, dass ich diese Idee des Vereins von seiner Arbeitsweise nicht nachvollziehen kann. So arbeiten die allermeisten Organisationen und die Idee, dass man von den Mitgliedern erwartet, dass sie sich den kollektiven Entscheidungen der Organisation, wie sie ihre Ziele verfolgt, unterordnen, und man so sicherstellt, dass diese planvolle Verfolgung der Ziele auch funktioniert, ist vernünftig. Nur unterscheidet sich dies halt fundamental von der Art und Weise wie die OSM-Community insgesamt arbeitet.

  2. Ein paar Anmerkungen.

    > Ende 2017 wurde dann der FOSSGIS-Verein eine lokale Vertretung für OpenStreetMap für Deutschland.

    Das ist nicht „oops!“ so passiert, sondern damals haben ein paar Aktivisten des FOSSGIS beschlossen, den FOSSGIS zum „Local Chapter“ zu machen. Eine deutsche OSM-Community, die von einem deutschen Local Chapter repräsentiert werden sollte, war daran nicht beteiligt.

    >[…] hätte die Möglichkeit bestanden, dass die deutsche OSM-Mapper-Community den Verein übernimmt.

    Nein. Denn das FOSSGIS repräsentiert die deutsche OSM-Mapper-Community nicht; damit gibt es auch für deutsche OSM-Mapper keinen Grund, Mitglied des FOSSGIS zu werden. Als Vergleich: Der deutsche Bundesverband Fleischwirtschaft ist Mitglied im Weltverband der Hamsterzüchter geworden, und ich als Hamsterzüchter soll jetzt Mitglied werden im Bundesverband Fleischwirtschaft. Klingt übertrieben, trifft aber die Situation: Ich trage zum OSM-Geodatenbestand bei, verdiene aber nichts mit der Nutzung von Geodaten, nutze kein GIS, und habe auch kein Interesse daran, mit meinem Geld FOSS-Projekte zu fördern. Wozu also Mitglied werden in einem *FOSS*GIS*?

    > Die überwältigende Zahl der Mapper in Deutschland ist zufrieden damit, einzeln für sich zu mappen und verspürt über eventuelle lokale Stammtisch-Treffen hinaus keinerlei Bedarf, sich zu organisieren und zu engagieren, *schon gar nicht dort, wo es noch keine fertigen Strukturen gibt, sondern man etwas neu aufbauen muss.*

    Möglicherweise ist die Situation genau umgekehrt: Ein schon lange existierender Verein, besonders ein von kommerziellen Akteuren betriebener Zweckverband, hat längst informelle Strukturen entwickelt. Netzwerke, Seilschaften und Gatekeeper. Unsichtbar, undokumentiert, aber umso wirksamer. Will ich etwas erreichen, das der Verein nicht schon eh betreibt, ist der Verein durch die damit verbundene Trägheit eher ein Hindernis als eine Hilfe.

    Für Otto-Normal-Geodatenerfasser wäre eine neu gegründete Organisation deutlich attraktiver gewesen, die ohne Altlasten genau die Felder bearbeiten kann, die die neuen Mitglieder interessieren. Und seien wir mal ehrlich: *so* kompliziert ist eine Vereinsgründung auch nicht: Zum Start brauchen Sie einen für den Formalkram mit Amtsgericht und Bank, einen für die Kassenführung, und einen für die Technik. Dazu ein paar Startmitglieder.

    > Die Hürden für die formelle Mitgliedschaft im Verein waren insbesondere am Anfang 2017-2018 recht hoch, man musste einen schriftlichen Mitgliedsantrag (auf Papier) einreichen und einen Mitgliedsbeitrag leisten, der mit EUR 30 pro Jahr beim doppelten des Beitrags für die OSMF lag.

    Das Problem beim Mitgliedsbeitrag ist nicht die Höhe, sondern die Frage nach der Verwendung. Wie oben geschrieben: warum soll ich mit meinem Geld zwangsweise FOSS-Projekte finanzieren, wenn ich doch nur einer Community-Vertretung beitreten möchte?

    > Damit war also nicht nur eine Übernahme des Vereins durch die OSM-Commmunity praktisch ausgeschlossen, de facto haben die Hobby-Mapper im Verein auch so gut wie kein Gewicht.

    War vielleicht *genau das* der Zweck? Ich hab nie verstanden, warum damals auf Biegen und Brechen auf die Schnelle ein deutsches OSM-Chapter geschaffen werden musste. Ich meine, es gab doch keinerlei Zeitdruck. Sollte möglicherweise einfach nur „ein loses Ende abgebunden“ werden?

    > Bemerkenswert ist dies vor allem in Anbetracht des breiten Spektrums an unbezahlter Beratungs- und Lobbying-Arbeit, welche seit vielen Jahren durch die Hobby-Mapper-Community geleistet wird, und welche jetzt natürlich den bezahlten Aktivitäten im FOSSGIS gegenüber steht.

    Und die Aufträge des FOSSGIS gehen (natürlich) an die üblichen Verdächtigen: „Menschen, deren Arbeit wir kennen und schätzen.“

    > Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der FOSSGIS sich zunehmend als OpenStreetMap Deutschland präsentiert und damit einen Vertretungsanspruch für die deutsche OSM-Community impliziert. Dies wird auf der einen Seite auch in der öffentlichen Kommunikation des Vereins unterstrichen, wo man von Uns, der Community spricht, sich aber gleichzeitig auch gegen die Community abgrenzt und der Verein als Verbindung zur Community dargestellt wird.

    Ja, FOSSGIS als Community-Governance. Wo kämen wir auch hin, wenn banale Geodatenerfasser sich eine Bedeutung zumäßen, die ihnen nicht zusteht, und unüberwacht durch kommerzielle Profis sich organisierten?

    > Betrachten wir den Jahresbeitrag im Vergleich zu anderen professionellen Vereinigungen und Interessenverbänden in Deutschland dann ist selbst EUR 60 nicht sonderlich hoch.

    Für einen Zweckverband, der Software-Entwicklung unterstützen will, ist der Betrag absurd niedrig.
    Für eine Gemeinschaft von für-lau-Geodaten-Erfassern ist er absurd hoch.

    Der FOSSGIS hätte niemals Local Chapter werden dürfen.

    > Was bei der ganzen Frage immer im Raum steht, ist das in der Vorgeschichte beschriebene Spannungsfeld im FOSSGIS zwischen der professionellen Interessenvertretung für FOSS-Anwender und -Entwickler, einschließlich solcher mit OSM-Bezug, und dem Anspruch, die Vertretung der deutschen Hobby-Mapper-Community zu sein. Ein hoher Mitgliedsbeitrag bewirkt – unabhängig ob so intendiert, oder nicht – dass die Anzahl der Mitglieder ohne professionelle Interessen im Verein gering bleibt. Der Verein mag so zwar die ernsthafte Absicht haben, auch die Interessen der deutschen OSM-Community zu vertreten, es handelt sich aber dabei ganz klar nicht um eine demokratische Vertretung durch Repräsentanten aus der Mitte der Community selbst, sondern durch Träger eigener professioneller Interessen, welche nicht zwingend mit den kollektiven Interessen der Community übereinstimmen, sondern diese bestenfalls als wohlwollender Treuhänder wahrnehmen (aber mit unvermeidlichen Interessenkonflikten).

    Der FOSSGIS hätte halt niemals Local Chapter werden dürfen.

    > Mein Vorschlag
    > […]

    Mein Vorschlag: der FOSSGIS beendet das Abenteuer Local Chapter und überlässt es der Community, eine Trägerorganisation für ein Local Chapter zu gründen (meinethalben im Garten von Wikimedia) — oder auch darauf zu verzichten. Alle anderen Länder halten es doch auch so.

    (Ja. Ich weiß, dass der nicht realistisch ist.)

    > Dass diese Frage nicht ausschließlich von den Entscheidungen im FOSSGIS abhängt, sondern auch davon, ob die Mapper-Community in Deutschland es schafft, sich unabhängig von professionellen Interessen nachhaltig zu organisieren, hatte ich ja bereits erwähnt.

    Der FOSSGIS als Local Chapter ist *der* Stein im Weg für eine organisierte Mapper-Community in Deutschland. Es ist kein Teil einer Lösung, sondern der Kern des Problems.

    > Was ich daneben auch anmerken möchte ist, dass ich – und das habe ich auch in der Vergangenheit mehrmals betont – die offene Diskussions-Kultur im FOSSGIS-Verein als etwas sehr Positives wahrnehme.

    Bloß was nützt dem Hamsterzüchter eine „offene Diskussions-Kultur“ im Bundesverband Fleischwirtschaft?

    Gruß Wolf

    • Danke für die Kommentare.

      Das sind eine ganze Menge Behauptungen dabei, die schlicht und einfach sachlich falsch sind (dass der FOSSGIS allein durch Beschluss aus dem FOSSGIS zu einem local chapter geworden ist und zur Mittel-Verwendung nur um zwei offensichtliche Punkte zu nennen). Auch die Metaphern aus der Tierhaltung finde ich weder gut verständlich noch hilfreich.

      Über die Frage, ob die Verbindung von FOSS und OSM in den Zielen eines Vereins für die OSM-Community in der Gesamtschau eher eine Chance oder eine Hürde darstellt, darüber kann man sich unterhalten. Aber mit sachlichen Argumenten und nicht auf Grundlage von Vorurteilen. Ich habe da meine Einschätzung im Beitrag schon artikuliert. Und wenn ich beispielsweise bei OSM-US den enormer Einfluss von IT-Unternehmen mit proprietären Geschäftsmodellen sehe, dann bestätigt das für mich deutlich, dass die Verbindung der Förderung von OpenStreetMap und FOSS im GIS-Bereich im Grunde sehr sinnvoll ist. Dass dies auch zu Zielkonflikten führt, praktisch zu sehen beispielsweise bei den deutlichen Beiß-Hemmungen des FOSSGIS dabei, die fundamentalen Prinzipien der ODbL gegenüber staatlichen Organisationen in Deutschland zu vertreten, sollte dabei natürlich jedem klar sein. Genau solche Dinge praktisch zu handhaben wäre halt die Aufgabe einer föderalen Struktur, wie ich sie im zweiten Beitrag skizziert habe.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.



By submitting your comment you agree to the privacy policy and agree to the information you provide (except for the email address) to be published on this blog.