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FOSSGIS Mitgliedsbeiträge – das Ende der Geschichte

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Mein (ziemlich sicher) letzter Beitrag zu der Sache mit den FOSSGIS-Mitgliedsbeiträgen.

Die gestrige virtuelle Mitgliederversammlung des Vereins hat die Erhöhung der Beiträge wie erwartet beschlossen. Die einzige beschlossene Änderung gegenüber dem Vorschlag des Vorstands in Bezug auf die Individual-Mitgliedschaften ist, dass der ermäßigte Beitrag nicht mehr für nicht erwerbstätige Mitglieder vorgesehen ist, sondern für Mitglieder, deren finanzielle Situation einen reduzierten Mitgliedsbeitrag erfordert. Die konkrete Formulierung ist:

Das Mitglied entscheidet eigenverantwortlich darüber, ob seine finanzielle Situation einen reduzierten Mitgliedsbeitrag erfordert. Hierzu reicht eine formlose Mitteilung an den Vorstand.

Das eigenverantwortlich war – ich hatte das diskutiert – bis jetzt auch schon so, aber man musste halt behaupten, dass man nicht erwerbstätig ist, um in den Genuss des reduzierten Mitgliedsbeitrags zu kommen. Jetzt muss man behaupten, dass die eigene finanzielle Situation es erfordert.

Der FOSSGIS ist damit – so weit mir bekannt – das einzige local chapter der OSMF, welches den Mitgliedsbeitrag von finanzieller Bedürftigkeit abhängig macht. Ob das eine gute Idee ist, darüber kann man sicher diskutieren.

Es gab zwar für die von mir gemachten Vorschläge durchaus einzelne Sympatie-Äußerungen, aber letztendlich kein substantielles Interesse unter den anwesenden Mitgliedern, das tatsächlich in einen Beschluss zu gießen oder gegen die Erhöhung zu stimmen. Die Abstimmung über die jetzt beschlossene Beitragsordnung ging mit 52 Stimmen dafür, 3 dagegen und 7 Enthaltungen zu Ende.

Ich hatte bereits in der ersten Diskussion der Saga der OSMF-Mitgliedsbeiträge meine Einschätzung dargelegt, dass sich der FOSSGIS hier an einem entscheidenden Punkt seiner Entwicklung befindet. Und ich hatte dies mit meinem Hinweis auf die Pfadabhängigkeit in einem weiteren Kommentar noch einmal unterstrichen. Diese Richtungsentscheidung ist jetzt denke ich gefallen, wenngleich sie sich im Grunde schon seit spätestens 2020 abzeichnet.

Wie bedenklich diese Richtung insgesamt ist lässt sich denke ich sehr schön daran ablesen, wie ehrenamtliche Arbeit aus dem Verein heraus betrachtet wird. Das zentrale Argument für die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge besteht nach wie vor darin, dass man einen Mangel an Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement wahrnimmt und deshalb der Ansicht ist, dass sich die Vereinsziele nur durch bezahlte Arbeit nachhaltig verfolgen lassen. Gleichzeitig wird aber die Idee, dass man bei der Gestaltung der Mitgliedsbeiträge eine Wertschätzung für eben solche ehrenamtliche Arbeit erkennen lässt – wie ich es ja in meinem Entwurf vorgeschlagen habe, zurückgewiesen. Das ist quasi Pfadabhängigkeit aus dem Lehrbuch. Das ist insbesondere bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie viel ehrenamtliche Arbeit in der OSM-Community insgesamt geleistet wird, und zwar völlig losgelöst und unabhängig vom FOSSGIS und anderen Organisationen, dass es also ganz klar keinen generellen Mangel an Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement in der OSM-Community gibt.

Wie auch immer – der Verein hat die Weichen so gestellt und wir müssen damit umgehen. Ich für meinen Teil habe beschlossen, meine Mitgliedschaft im FOSSGIS zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Ich möchte aber betonen, dass dies meine individuelle Entscheidung ist und damit keine Empfehlung an Andere verbunden ist. Jeder muss das für sich entscheiden. Ich kann völlig nachvollziehen, wenn andere im FOSSGIS eine nützliche Plattform für die Verfolgung ihrer Interessen sehen. Und wie ich in meiner Antwort auf Frederiks Kommentar zum ersten Beitrag in dieser Serie dargelegt habe, kann ich darüber hinaus auch nachvollziehen, wenn es der FOSSGIS als Organisation als notwendig erachtet, dass sich seine Mitglieder den Kollektiv-Entscheidungen und Regeln der Organisation unterordnen. Für mich passt das halt nicht zu dem Bild, welches ich von OpenStreetMap als offenem sozialem Projekt habe, in dem ich mich ehrenamtlich engagiere.

Als ich im April meine Idee für ein deutlich anderes Konzept der Mitgliedsbeiträge erstmals skizziert hatte, war mir klar, dass – im unwahrscheinlichen Fall, dass der FOSSGIS so etwas tatsächlich einführen würde – ich genötigt wäre, Fördermitglied zu werden, denn alles andere wäre ziemlich verlogen gewesen. Interessanterweise war in der Diskussion zu diesem Aspekt meines Vorschlags das zentrale Argument – welchem auch niemand außer mir ernsthaft widersprochen hat – dass die Mitglieder freiwillig nicht mehr als nötig zahlen würden, und dass Druck, oder zumindest Nudging, notwendig ist, um sie zu höheren finanziellen Beiträgen zu bringen. Dieses Bild passt natürlich gut zur Rolle des FOSSGIS als Interessenvertretung seiner Mitglieder, wo es allen letztendlich vor allem um die eigenen Interessen geht. Die Idee, dass der FOSSGIS auch ein anderes Selbst-Verständnis entwickeln könnte, wo man sich nicht in erster Linie aufgrund gemeinsamer Interessen zusammen findet und organisiert, sondern aufgrund gemeinsamer Ideale und Werte, und die Mitglieder frei sind in ihrer Entscheidung, sich entweder durch ehrenamtliche Arbeit oder durch finanzielle Beiträge für diese Ideale und Werte zu engagieren – diese Idee schien niemand der Anwesenden auf dem Radar zu haben.

Und bei aller Kritik, die ich immer wieder an der OSMF äußere – in Hinblick auf die Struktur der Mitgliedsbeiträge präsentiert sich die OSMF da gegenüber ihren (derzeitigen wie potentiellen zukünftigen) Mitgliedern ganz anders.

Was mir übrigens auch klar geworden ist, dass wir in OpenStreetMap ja keineswegs daran gebunden sind, in der lokalen Vertretung Mitglied zu werden, die räumlich quasi für uns zuständig ist. Wie der FOSSGIS haben die meisten OSMF local chapters keine Aufnahme-Voraussetzung, dass man aus dem räumlichen Zuständigkeitsbereich des local chapter stammt, oder dort wohnt. Es ist uns also allen unbenommen, dort Mitglied zu werden, wo wir den Eindruck haben, dass die Organisation am besten zu uns passt.

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