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Florence in Spring 2022

11. August 2022
von chris
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State of the Map 2022

German text based on Deepl machine translation of the English language text.

In etwa einer Woche beginnt die State of the Map-Konferenz der OSMF, und um zu vermeiden, dass man mich dort vergeblich sucht (ich habe an den letzten vier State of the Map-Konferenzen teilgenommen – die letzten beiden davon waren virtuelle Veranstaltungen): Ich werde dieses Jahr nicht dabei sein.

Das hat mehrere Gründe, einer der relevantesten ist, dass die diesjährige Veranstaltung – mehr als in jedem der letzten vier Jahre – eine Veranstaltung ist, die ganz ostentativ auf wohlhabende Leute und Leute abzielt, deren Besuch von einer dritten Partei bezahlt wird. Es ist völlig in Ordnung, eine solche Veranstaltung zu haben, und ich wünsche allen Konferenzteilnehmern eine angenehme und erfolgreiche Zeit, aber dies macht es für mich sehr viel weniger attraktiv, die Konferenz zu besuchen.

Da es in den letzten beiden Jahren kaum möglich war, sich in größeren Gruppen zu treffen, hätte ich mich in diesem Jahr gerne persönlich mit verschiedenen an OpenStreetMap beteiligten Personen getroffen, die ich in den letzten Jahren nicht treffen konnte, darunter auch einige, die wahrscheinlich in Florenz sein werden, obwohl die Kosten für einen Besuch dort in der Haupt-Ferien-Saison mit den Hotel- und Reisepreisen an ihrem Maximum ziemlich hoch sind. Aber um ehrlich zu sein – was mir in den vergangenen Jahren am meisten gefallen hat, war vor allem die Begegnung und das Gespräch mit wirtschaftlich eher marginalisierten Menschen.

Ich habe ein wenig mit dem Gedanken gespielt, Florenz zu besuchen, aber nicht an der kommerziellen Konferenz teilzunehmen und mich stattdessen einfach mit Leuten außerhalb der organisierten Veranstaltung zu treffen und ansonsten die Stadt zu besuchen und kennenzulernen. Aber wie gesagt, es gab andere Gründe, die dagegen sprachen, und auch wenn ich mir einen Besuch in Florenz im August hätte leisten können, ist das für viele andere in OpenStreetMap aktive Menschen nicht der Fall. Und Florenz im August als den Ort und die Zeit zu wählen, wo Leute aus der OSM-Community die Chance haben, mich persönlich zu treffen, hätte auch eine Aussage darüber gemacht, wen ich am meisten interessiert bin zu treffen, selbst wenn dies losgelöst von der SotM-Konferenz geschieht.

In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder kritisiert, dass die Erschwinglichkeit des Besuchs kein Kriterium bei der Planung der Konferenz ist, nicht einmal auf dem Papier und weder bei der Wahl des Ortes noch bei der Wahl des Datums der Konferenz. Diese Tatsache steht natürlich im Einklang mit dem Diversity-Statement der OSMF, das eine Diskriminierung nach fast allen Kriterien verbietet, allerdings ausdrücklich nicht nach Wohlstand.

Wie auch immer – für diejenigen in der OSM-Community, die mich gerne persönlich treffen würden – ich plane, beim Karlsruhe Hack Weekend im September dabei zu sein, nachdem ich auch dort in den letzten zwei Jahren abwesend war. Trotz der begrenzten Teilnehmerzahl gibt es aktuell noch Platz für Leute, die dorthin kommen wollen, Karlsruhe ist nur eine zweistündige Zugfahrt vom Frankfurter Flughafen entfernt und es gibt eine gute Auswahl an ordentlichen und bezahlbaren Unterkünften in Karlsruhe.

Ich verfolge auch generell mit Interesse die Ankündigungen anderer Veranstaltungen in der OSM-Community, die mit der sichtbaren Absicht und dem Wunsch geplant werden, auch für weniger wohlhabende Menschen erschwinglich und zugänglich zu sein und ein wirklich vielfältiges Publikum im ursprünglichen Sinne des Wortes willkommen zu heißen. In den letzten zwei Jahren waren die Möglichkeiten, solche Veranstaltungen zu besuchen, eher begrenzt, aber ich hoffe, dass sich das in Zukunft wieder bessern wird.

Florenz im Frühjahr 2022

Florenz im Frühjahr 2022

Concluding remarks on tree rendering

5. Juni 2022
von chris
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Abschließende Bemerkungen zur Darstellung von Bäumen

Dies ist der vierte Teil einer vierteiligen Serie von Blogbeiträgen über die Darstellung von Bäumen in Karten – siehe Teil 1 für eine Diskussion über die Darstellung von Bäumen in traditionellen Karten und Plänen, Teil 2 für die Erfassung von Bäumen in OpenStreetMap und die Darstellung in OSM-basierten Karten und Teil 3 für die Diskussion eines neuen Konzepts der Baumdarstellung. Der deutsche Text hier basiert auf einer automatischen Übersetzung mit deepl.

Die Baumrendering-Implementierung, die ich im vorigen Teil gezeigt und erklärt habe, ist im Wesentlichen nur eine Skizze, die einige der Designkonzepte demonstriert, die man erforschen kann, wenn man die technischen Beschränkungen gängiger automatischer Kartenrendering-Tools wirklich außer Acht lässt. Ist das zu viel für einen allgemeinen Kartenstil? Vielleicht.

Wie ich vor kurzem bereits erwähnt habe, ist die ganze Welt des automatisierten, regelbasierten Kartendesigns, wenn man die vorgefertigten Pfade verlässt, die bereits von den Technologieunternehmen und den für sie arbeitenden Tool-Entwicklern ausgekundschaftet wurden, weitgehend unerforschtes Gebiet. Die Arbeit an der Baumdarstellung hat mir einmal mehr vor Augen geführt, wie sehr das insbesondere für große Kartenmaßstäbe und hohe Zoomstufen gilt. Sobald man anfängt, Karten speziell für z19/z20 zu entwerfen, bewegt man sich in der traditionellen Domäne von Architekturzeichnungen und Lageplänen – was ein ganz neues Feld von Überlegungen und Designideen ist, wie ich im ersten Teil mit einigen Beispielen versucht habe anzudeuten. Die meisten Designer digitaler interaktiver Karten behandeln diesen Maßstabsbereich bisher einfach als eine Extrapolation der kleineren Maßstäbe. Dies gilt umso mehr für alle modernen Vektorkacheln, bei denen alles oberhalb von z16/z17 buchstäblich nur das gleiche Rendering in größeren Maßstäben plus mehr POI-Symbole und Beschriftungen ist.

Und ich denke, diese Serie von Blogposts zeigt auch einmal mehr, dass die Fähigkeiten der derzeit verfügbaren Kartenrendering-Tools sehr begrenzt sind im Vergleich zu dem, was prinzipiell möglich und wünschenswert wäre, um gut lesbare Karten zu erstellen. Die CartoCSS- und Mapnik-Toolchain, die ich hier verwende, hat den Vorteil, dass sie (über PostGIS-Code) die Möglichkeit bietet, dies auf einer niedrigen Ebene von Hand zu implementieren, aber in der Praxis sind solche Low-Level-Techniken für viele Kartendesigner wahrscheinlich unerreichbar. Abgesehen von den offensichtlichen Effizienzproblemen kann man diese Art der manuellen Symbolverarbeitung nicht mit der Erkennung und Vermeidung von Kollisionen zwischen Symbolen und Labels kombinieren.

Daher noch einmal meine dringende Empfehlung an OSM und die FOSS-Community, die ich bereits bei verschiedenen Gelegenheiten geäußert habe: Ihr müsst strategisch in fortschrittliche Kartendesign-Tools für automatisiertes regelbasiertes Kartenrendering investieren. Und wenn Ihr dies tut, dabei aber die Dinge nur aus der Perspektive eines Softwareentwicklers betrachtet oder in die Fußstapfen der großen Technologieunternehmen tretet, werdet Ihr scheitern. Die Hersteller proprietärer Software haben diese Lektion gelernt. Sie beziehen Kartendesigner aktiv in ihre strategische Planung und Forschung ein und hören ihnen zu. Ihre Zielgruppe sind bisher überwiegend noch die traditionellen Kartenersteller, für die Kartendesign die manuelle Verarbeitung konkreter Daten bedeutet und nicht die Entwicklung automatisierter Regeln zur Verarbeitung generischer Daten, wie ich sie hier diskutiere. Aber das wird sich ändern. Verpasst also nicht diese Gelegenheit.

Baum mit Blüten

A new design for tree rendering in digital maps

3. Juni 2022
von chris
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Eine neue Art der Darstellung von Bäumen in digitalen Karten

Hier jetzt wie versprochen der dritte Teil meiner Serie von Beiträgen zum Thema Darstellung von Bäumen in Karten (erster Teil zur Darstellung von Bäumen in traditionellen Karten und Plänen und zweiter Teil zu Bäumen in OpenStreetMap).

Dieser beschäftigt sich wie angekündigt mit einem neuen Konzept für die differenzierte Darstellung von Bäumen in digitalen Karten und ist, wie die ersten beiden Teile, auf Englisch zu lesen.

Eine neue Art der Darstellung von Bäumen in digitalen Karten

Tree depiction in traditional maps and plans

30. Mai 2022
von chris
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Darstellung von Bäumen in traditionellen Karten und Plänen

Ich habe mich auf diesem Blog bereits in der Vergangenheit mit der Darstellung von Wald in Karten beschäftigt. Hier möchte ich jetzt ein verwandtes Thema besprechen: Die Darstellung einzelner Bäume in Karten – sowie von Büschen, Baumreihen und Hecken. Ich habe vor, dies in vier Teilen zu tun – im ersten davon geht es um die Abbildung von Bäumen in traditionellen Karten und Plänen – zu lesen in englischer Sprache.

OpenStreetMap-Carto – an update on the project

20. Mai 2022
von chris
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OpenStreetMap-Carto – Ein Update zum Projekt

Es ist jetzt mehr als viereinhalb Jahre her, dass ich ausführlicher über OpenStreetMap-Carto geschrieben habe, den Kartenstil, welcher hinter der Karte auf openstreetmap.org steht und in vielerlei Hinsicht das öffentliche Bild von OpenStreetMap prägt.

Ich habe jetzt einige neue Betrachtungen zu dem Projekt geschrieben, welche man auf Englisch lesen kann.

30. März 2022
von chris
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Gruppen-Kommunikationskanäle im OSM-Umfeld – ein erneuter Blick

Die OpenStreetMap-Foundation hat ihre neue Web-basierte Kommunikations-Plattform vorgestellt – was lange erwartet worden ist und was ich bereits in meinem jährlichen Bericht über die OSMF erwähnt hatte.

Ich nutze diese Gelegenheit als Anlass, meine vorherigen Einschätzungen zu den Kanälen zur Gruppen-Kommunikation in OpenStreetMap zu aktualisieren – mit einigen subjektiven Eindrücken und Kommentaren im Anschluss – zu lesen auf Englisch.

25. März 2022
von chris
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Das „Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic“ (COMA)

Ich freue mich, hier mein neustes Satellitenbild-Produkt vorzustellen – das „Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic“ (COMA).

The Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic (COMA)

The Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic (COMA) – die größere Darstellung zeigt die Version mit Überblendung zur Ozean-Darstellung auf Grundlage der Green Marble 2.1 (Sentinel-3-Daten)

Das COMA ist Ergebnis einer Evolution der Techniken zur Produktion von Satellitenbild-Zusammenstellungen, welche ich seit mehr als einem Jahrzehnt entwickle und verbessere. Ich habe über die Jahre verschiedene Bilder im Auflösungs-Bereich zwischen 10m und 15m veröffentlicht und viele davon bieten nach wie vor die beste Qualität von Bildern, die für die jeweilige Region verfügbar ist. Für dieses Bild habe ich insbesondere die Skalierbarkeit des gesamten Prozesses verbessert, um eine größere Zahl von Bildern zusammenstellen und ein größeres kontinuierliches Gesamtbild produzieren zu können.

Ich habe das Attribut comprehensive gewählt, um zu verdeutlichen, dass das Bild nicht nur alle Landflächen und permanentes Eis in der Antarktis darstellt, sondern auch einen großen Teil aller jüngeren als offene Daten verfügbaren Bilder verwendet, um eine einheitliche und qualitativ hochwertige Abdeckung des Inneren der Antarktis zu bieten. Die meisten Bilder der Antarktis, die man in Kartendiensten und anderswo heute sehen kann, basieren nach wie vor auf dem mehr als 20 Jahre alten LIMA, welches aufgrund der Einschränkungen der Landsat-7-Daten (auf welchen das LIMA basiert), aufgrund des geringen Volumens an Ausgangsdaten und durch den verwendeten Zusammenstellungs-Prozess nicht wirklich für qualitativ hochwertige Visualisierungen geeignet ist. Einige Nutzer des Bildes haben es lokal mit neueren Bildern ergänzt, was jedoch üblicherweise zu farblichen Inkonsistenzen führt.

Antarktische Halbinsel

Antarktische Halbinsel

Koettlitz Glacier und Royal Society Range

Koettlitz Glacier und Royal Society Range

Das COMA ist das erste komplett neue Mosaik in sichtbaren Farben und vom gesamten Kontinent, welches nach dem LIMA produziert wurde und ist in jeder Hinsicht qualitativ ein großer Fortschritt. Es basiert hauptsächlich auf Landsat-8-Daten, ergänzt durch ASTER und MODIS-Bilder. Und im Grunde ist es erst jetzt, 8 Jahre nach dem Start von Landsat 8, wirklich möglich, durch eine ausreichende Menge von Daten ein Mosaik des gesamten Kontinents einheitlich in dieser Qualität zu produzieren.

Ich möchte insbesondere betonen, dass das Bild den selben hohen Qualitätsmaßstäben hinsichtlich der Wolkenfreiheit genügt wie meine anderen Zusammenstellungen in dieser Auflösungs-Klasse, welche – konservativ geschätzt – weniger als einen in 10k bis einen in 100k Pixeln aufweisen, die erheblich von Wolken beeinträchtigt sind. Dies ist viel besser als beim LIMA und allen anderen Bildern aus der Antarktis, welche derzeit verfügbar sind. Die Antarktis ist zwar keine besonders wolkenreiche Region, jedoch ist sie in dieser Hinsicht dennoch ziemlich schwierig aufgrund der Art der Wolken und weil Wolken über Schnee ganz allgemein notorisch schwierig zu erkennen sind.

Snow drift and thin clouds on the polar plateau in a strongly contrast emphasized depiction

Vom Wind verwehter Schnee und dünne Wolken auf dem polaren Plateau in einer stark kontrastverstärkten Darstellung – aus Original-Daten, nicht im Mosaik

Es ist außerdem erwähnenswert, dass Wolken nicht das einzige vorübergehende atmosphärische Phänomen sind, welches in der Antarktis die Qualität von Satellitenbildern beeinträchtigt. Vom Wind aufgewirbelter und verwehter Schnee ist auch ein verbreitetes Problem. Man kann im Grunde sagen, dass auf dem polaren Plateau der Antarktis die Grenze zwischen Atmosphäre und Erdoberfläche etwas verschwimmt und dies macht die Aufnahme eines konsistenten Bildes der Oberfläche zu einer Herausforderung. Bei der Produktion des COMA wurde deshalb besonderes Augenmerk auf die Analyse der Bilder gelegt, um sicher zu stellen, dass bevorzugt Bilder verwendet werden, welche eine klare Sicht auf die Oberfläche frei von Wolken und verwehtem Schnee bieten.

Feine Strukturen auf dem Eis, sichtbar nach Verstärkung der Kontraste

Feine Strukturen auf dem Eis, sichtbar nach Verstärkung der Kontraste

Einige wundern sich vielleicht, weshalb ich in diesem Mosaik keine Sentinel-2-Daten verwendet habe. Der Grund dafür besteht darin, dass die Sentinel-2-Abdeckung der Antarktis räumlich sehr unvollständig ist und auch dort, wo Bilder aufgenommen werden, erfolgt die Aufnahme fast überall recht sporadisch. Bei der Verwendung dieser recht begrenzten Daten stünde man zwangsläufig oft vor der Frage, zwischen Sentinel-2-Daten (aufgrund der geringfügig höheren Auflösung) und Landsat-Daten (für die bessere Qualität und einen neueren Datenstand) zu wählen.

Sie können auf services.imagico.de einen Blick auf die detaillierte Produkt-Beschreibung und die Beispiel-Bilder werfen. Diejenigen, die Interesse an einer Verwendung des Mosaiks haben, können mich gerne für Details dazu kontaktieren.

Das Sør Rondane Gebirge

Das Sør Rondane Gebirge

Denman Glacier, Darstellung mit hohem Kontrast

Denman Glacier, Darstellung mit hohem Kontrast

James Ross Island und Prince Gustav Channel

James Ross Island und Prince Gustav Channel, lokal kontrastverstärkte Darstellung

12. März 2022
von chris
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FOSSGIS 2022 – ein paar Notizen

Diese Woche hat die FOSSGIS-Konferenz 2022 stattgefunden und ich möchte – diesmal wirklich sehr kompakt – ein paar Eindrücke teilen.

Zunächst einmal hat die Konferenz erneut rein virtuell stattgefunden, obwohl dies eigentlich anders geplant war. Schade finde ich daran vor allem, dass auch nach zwei Jahren Pandemie das Gros der Besucher und Organisatoren relativ klar erkennbar weiter mit dem virtuellen Format fremdeln und so schnell wie möglich zurück zur Präsenz-Veranstaltung wollen. So nachvollziehbar das auch sein mag, sehe ich hierin eine enorme verpasste Chance, ernsthaft die Idee virtuelle Konferenz mit ihren Vorteilen an Inklusivität und Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln. Der FOSSGIS steht da natürlich nicht alleine da. Schade ist es trotzdem.

Wie auch in den vergangenen Jahren fand ich mit das Wertvollste an der Konferenz die Chance, Einblick in die Sicht- und Arbeitsweisen von Leuten und Organisationen zu bekommen, die mir ansonsten eher fremd sind. Die Themenfelder Institutionelle Geodaten-Verarbeitung und professionelle Software-Entwicklung sind Bereiche, mit denen ich zwar bei meiner Arbeit immer wieder in Berührung komme, jedoch ohne tiefere Einblicke. Vor diesem Hintergrund finde ich es immer wieder erhellend, In Vorträgen und Diskussionen zumindest punktuell solche Einblicke zu bekommen.

Schade ist, dass der Austausch zwischen den Arbeits-Kulturen meist jedoch oberflächlich bleibt. Insbesondere da Freie Software und Offene Daten ja eigentlich einen wichtigen Nutzen darin haben, Barrieren zu überwinden und breiteren Kreisen einen Zugang zu Daten und Methoden zu ermöglichen und vor allem auch dadurch einen gesellschaftlichen Mehrwert produzieren. In der Podiums-Diskussion zum Abschluss, an der ich teilgenommen habe, habe ich versucht, dieses Thema ein bisschen einzubringen. Aber auch diese ist am Ende eher oberflächlich geblieben. Aber vielleicht sind meine Ansprüche da auch etwas hoch – kulturelle Veränderungen sind schließlich meist ein recht langsamer Prozess.

Auf dem OSM-Samstag habe ich spontan auf Nachfrage eine Diskussionsrunde zu TagDoc veranstaltet. Eigentlich hatte ich nicht vor, das auf der FOSSGIS zu thematisieren, da ich das gerade erst vor ein paar Tagen vorgestellt hatte. Es gab viele interessante Anmerkungen und Anregungen und erfreulich viel positives Feedback. Das Format mit einer Stunde Dauer bietet, wenn man sich als Leiter einer solchen Session bei der Einleitung begrenzt, deutlich mehr Raum für Diskussionen.

Womit ich mich bei solchen Veranstaltungen immer schwer tue ist die Frage, ob und wie sehr ich mich in Frage-Runden und Diskussionen einbringen soll. Insbesondere, wenn meine Sichtweise auf ein Thema sich deutlich von der vorherrschenden Perspektive unterscheidet. Mit anderen Worten: Wenn ich in der umgekehrten Situation zu der oben geschilderten bin, also nicht ich interessante Einblicke in die Arbeits- und Sichtweise anderer aufnehme, sondern ich andere Perspektiven auf ein Thema habe, die für Vortragende/Diskussionsveranstalter interessant sein könnten und eine Anregung, mal über den Tellerrand zu blicken. Ich hab da verschiedene Ansätze:

  • Einfach sozusagen mit der Tür ins Haus fallen – das führt oft zu einer Abwehrhaltung nach dem Motto Was will der denn jetzt, hat doch gar nichts mit dem Thema zu tun.
  • Sich auf einen kurzen Text-Kommentar beschränken, in dem man eine Idee anreißt und dann schaut, ob das aufgegriffen wird. Manchmal funktioniert das, oft fällt das aber hinten runter. Gerade wenn andere Fragen aus der jeweiligen Filterblase die Diskussion füllen.
  • Eine (rhetorische) Frage stellen, die auf ein Diskussionsthema hindeutet. Das kann funktionieren, wird aber gelegentlich auch als passiv-aggressiv wahrgenommen.

Wenn Ihr andere Ideen habt, wie man als Außenseiter in Diskussionen auf einer solchen Veranstaltung erfolgreich Fragen und Kommentare mit dem Ziel einer Horizont-Erweiterung einbringen kann, ohne dass das eher kontraproduktiv wirkt, lasst es mich wissen.

Mein Idealbild einer virtuellen Konferenz bleibt die Idee einer zeitlich entzerrten Veranstaltung, wo die vor-aufgezeichneten Vorträge über einen längeren Zeitraum den Besuchern zum Anschauen zur Verfügung stehen um dann in einer live-Veranstaltung mit den Vortragenden diskutiert zu werden und der/die Vortragende anschließend im Nachgang noch die Gelegenheit hat, wiederum asynchron auf die Diskussion einzugehen und sie zu reflektieren.