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OpenStreetMap, business interests and capitalism

6. August 2026
von chris
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OpenStreetMap, Geschäftsinteressen und Kapitalismus

Deutsche Version auf Grundlage einer automatischen Übersetzung mit deepl.

Ein weiteres interessantes Diskussionsthema der letzten Zeit in der OSM-Community war der Einfluss von Unternehmen auf das Projekt.

Die Sorge um den Einfluss von Unternehmen auf OpenStreetMap ist schon recht alt. Vor einiger Zeit gab es erhebliche Bedenken hinsichtlich einer direkten Übernahme der OpenStreetMap Foundation durch große US-amerikanische Technologiekonzerne. Ich hatte mich dazu bereits in der Vergangenheit geäußert.

Mir ist jedoch klar geworden, dass der Fokus dieser Diskussion etwas einseitig war und sich hauptsächlich auf den Einfluss einzelner Geschäftsinteressen konzentrierte. Ich möchte dies anhand von zwei Zitaten aus der aktuellen Diskussion veranschaulichen.

adreamy schreibt:

I don’t believe OSM’s identity has ever been about being anti-business or anti-capitalist. Rather, I believed it was about remaining independent of any single commercial interest, and about building a project where individuals could participate on equal footing in a genuinely open community.

Simon Poole schreibt:

It used to be that a majority of board members worked in companies in the geo data business, it used to be that major tagging schemes were supported and proposed by corporate entities, it used to be that people were employed to do marketing for OSM by outside companies, it used to be that major bits of “core” OSM software was written and maintained by employees of companies interested in OSM.

The last has been replaced by the OSMF employing staff and naturally this could give donors some leverage, particularly if the donations are earmarked, but it is less influence than if they were employees of third parties that could move them to different projects at a drop of the hat.

Ich stimme adreamy in Bezug auf den ersten Teil zu, würde aber die von ihm dargestellte Dualität hinterfragen – dass geschäftliche Interessen kollektiv kein Thema sind, während die Dominanz großer einzelner geschäftlicher Interessen sehr wohl eines ist.

OpenStreetMap begann als nicht-kapitalistisches Unterfangen in einer kapitalistischen Welt. Das bedeutet nicht, dass es antikapitalistisch ist, sondern dass es sich außerhalb des Bereichs positioniert hat, mit dem sich Kapitalismus und Antikapitalismus beschäftigen. Man kann es damit vergleichen, wie Menschen ihr Familienleben gestalten – was für die meisten ebenfalls außerhalb der Welt des Kapitalismus liegt. Mit dem Wachstum von OpenStreetMap wächst auch der Druck, sich in die kapitalistische Logik der Gesellschaft zu integrieren. Dies führt zu Konflikten, bei denen die in OSM traditionell starken sozialen Mechanismen, die auf der intrinsischen Motivation der Mitwirkenden beruhen, mit wirtschaftlichen Mechanismen und der extrinsischen Motivation durch Geld kollidieren. Im Bereich der Kartierung ist dies bislang noch ein begrenztes Problem, doch in anderen Bereichen (organisatorische, technische und kreative Arbeit) beobachten wir einen langfristigen Trend, bei dem intrinsisch motivierte ehrenamtliche Arbeit durch extrinsisch motivierte bezahlte Arbeit ersetzt wird.

Simon Poole hat treffend beschrieben, dass der direkte Einfluss von Wirtschaftsinteressen auf OpenStreetMap in der Vergangenheit stärker war. Dieser war jedoch weitgehend von der intrinsisch motivierten Freiwilligengemeinschaft getrennt. Genau das führte dazu, dass dieser Einfluss weithin als Bedrohung wahrgenommen wurde.

Simon deutet jedoch auch an, dass zwar die direkten, konfrontativen Versuche einzelner Wirtschaftsinteressen, das Projekt zu beeinflussen, zurückgegangen sind, der Kapitalismus jedoch zunehmend in den Kern der von innerer Motivation getriebenen Freiwilligengemeinschaft vordringt. Dagegen gibt es kaum aktiven Widerstand, da OpenStreetMap – wie bereits erwähnt – nicht antikapitalistisch ist. Doch diese Entwicklung verändert OpenStreetMap auf einer sehr grundlegenden Ebene. Über einige der Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen, habe ich bereits in der Vergangenheit geschrieben.

Die eigentliche Frage – und ich werde hier nicht im Detail darauf eingehen, sondern lediglich auf das Problem hinweisen – ist, ob OpenStreetMap langfristig als kapitalistisches Projekt tragfähig ist (das heißt, wenn es nicht nur in einer kapitalistischen Welt existiert, sondern sich den Kapitalismus zu eigen macht, um soziale Interaktionen innerhalb des Projekts zu regulieren) und ob sich ein OpenStreetMap nach diesen Grundsätzen überhaupt von anderen Crowdsourcing-Projekten zur Datenerhebung unterscheiden würde?

Auf einen wichtigen Aspekt dieses Problems habe ich bereits angespielt, als ich die Diversitätserklärung der OSMF kritisch kommentierte und darauf hinwies, dass sie die dem Kapitalismus innewohnende Diskriminierung aktiv ignoriert.

29. Juli 2026
von chris
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Gruppenkommunikation ist schwierig

Deutsche Version auf Grundlage einer automatischen Übersetzung mit deepl.

In der von der OSMF betriebenen Discourse-Instanz auf community.osm.org findet derzeit eine interessante Diskussion über die Regulierung des Einsatzes von LLMs in der dortigen Kommunikation statt.

Zunächst ein wenig Hintergrundinformation

Die OSMF hat im Jahr 2021 ein neues Rahmenwerk zur Verhaltenskontrolle für das Forum und einige Mailinglisten eingeführt – das ich wegen seiner Unbestimmtheit (und der daraus resultierenden Subjektivität bei der Umsetzung, die Raum für kulturelle Vorurteile lässt) sowie seiner Intoleranz gegenüber Verhaltensvielfalt, sowohl kultureller Art als auch aufgrund von Neurodiversität, kritisiert habe.

Später im Jahr 2025 führte die OSMF eine Ergänzung zu diesen Verhaltensregeln in Form einer KI-Richtlinie ein, die die Unbestimmtheit des ursprünglichen Rahmens im Wesentlichen auf den Einsatzbereich von LLMs ausweitet.

Diese Richtlinien und ihre praktische Anwendung spiegeln die Vorstellung von Verhaltenskontrolle als Autoritätssystem wider, bei dem die Entscheidung darüber, welches Verhalten als akzeptabel gilt, zentral von einer Gruppe von Personen (den Moderatoren) getroffen wird und die Nutzer der Kanäle darauf vertrauen müssen, dass diese ihre Arbeit wohlmeinend und kompetent ausführen (was meiner Ansicht nach meist der Fall ist) und es durchweg erfolgreich vermeiden, dass ihre kulturellen und persönlichen Vorurteile zu einer ungerechten Voreingenommenheit bei der Beurteilung unterschiedlicher Kommunikationsstile führen.

Im Kontext des Diskussionsforums steht der Gedanke, auf die Integrität und Objektivität der Moderatoren zu vertrauen, zudem im Widerspruch zum technokratischen Paradigma der zugrunde liegenden Software, das auf Technologiegläubigkeit beruht und viele soziale Funktionen konsequent an technische Automatismen delegiert. Dies zeigt sich am deutlichsten darin, dass die Kommunikationsteilnehmer in einer sozialen Hierarchie angeordnet sind, die durch ein undurchsichtiges Bewertungssystem definiert wird. Praktisch bedeutet dies auch, Kommunikation gelegentlich nachträglich versteckt wird, ohne dass dies den Moderatoren oder den Nutzern transparent mitgeteilt wird.

Diese technokratische Verwaltung wird zum Teil von den Entwicklern der von der OSMF verwendeten Software definiert, zum Teil von der selbsternannten technischen Leitung des Forums – die völlig unabhängig von der offiziellen Moderation arbeitet.

Viele dieser Punkte habe ich in der Vergangenheit bereits einzeln kritisiert, aber ich hielt es im Hinblick auf die vorliegende Thematik für wichtig, sie hier zusammenzufassen.

Zum Thema technisch generierte Kommunikation

Ich werde Sie nicht mit einem weiteren dieser Kommentare à la Meine persönliche Sicht auf den Einsatz von KI langweilen, wie man sie im Internet endlos findet. Wenn Sie an meiner Sichtweise zu diesem Thema interessiert sind, kann ich Sie auf einen Beitrag verweisen, den ich vor vielen Jahren im Zusammenhang mit geographischer Datenerfassung geschrieben habe – der im Wesentlichen auch heute noch gilt.

Was ich hier anmerken möchte, ist, dass das gesamte Problem beim Einsatz von LLMs in Diskussionen zu einem großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass der Fokus auf den beiden beschriebenen Methoden zur Regulierung der Gruppenkommunikation liegt – den Moderatoren als Autorität, denen man vertrauen muss, und dem technokratischen Management, das auf dem Vertrauen in die kollektive technologische Steuerung sozialer Beziehungen basiert. Die kombinierte Anwendung dieser beiden Prinzipien hat den Menschen im Forum sowohl die technischen Fähigkeiten als auch die praktische Erfahrung genommen, ihre sozialen Interaktionen auf dieser Plattform selbst zu steuern.

Ich muss das wahrscheinlich noch etwas näher erläutern. Zu Zeiten des Usenet war eines der bedeutendsten und prägendsten Elemente für die soziale Interaktion in diesen Gruppen die Funktion eines sogenannten Killfiles in praktisch allen NNTP-Readern, die von ernsthaften Teilnehmern dieser Gruppen genutzt wurden.

Ein Killfile ermöglicht es dem einzelnen Kommunikationsteilnehmer, Kriterien für Beiträge festzulegen, die er/sie nicht lesen möchte – meist Beiträge bestimmter Teilnehmer. Weitere Informationen finden Sie im Jargon File. Obwohl diese Funktion in der Praxis selten genutzt wurde, hatte die Tatsache, dass sie fast allen Teilnehmern dieser Gruppenkommunikation im Usenet ohne Weiteres zur Verfügung stand, erhebliche Auswirkungen auf die Kommunikationskultur. Ich wage hier die Behauptung, dass, wenn das Usenet heutzutage noch weit verbreitet wäre, der Einsatz von LLMs in der Usenet-Kommunikation durch menschliche Teilnehmer (im Gegensatz zu durch LLMs generiertem Spam – was eine ganz andere Sache ist) kein Problem darstellen würde.

Fazit: Ich denke, das gesamte Problem des LLM-Einsatzes in der Kommunikation im OSMF-Forum in der unter dem obigen Link diskutierten Form ist das Ergebnis des unklugen Versuchs, die Gruppenkommunikation der Teilnehmer kollektiv zu steuern (den Leuten vorzuschreiben, welche Inhalte sie lesen und wie sie diese lesen sollen, was sie schreiben und wie sie es schreiben sollen), anstatt ihnen die Möglichkeit und die Freiheit zu geben, dies individuell selbst zu regeln.

Mapping of populated places in OpenStreetMap

28. Juni 2026
von chris
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Die Erfassung von Ortschaften in OpenStreetMap

Ortschaften gehören wohl zu den Elementen der Humangeographie, die auf Karten im Allgemeinen am häufigsten dargestellt werden. Ich möchte hier ein wenig auf die etwas eigenartige Situation ihrer Kartierung in OpenStreetMap eingehen – in englischer Sprache.

Ortschaften auf einer kleinmaßstäblichen Karte - Carte de l'Afrique à l'echelle de 1/5M, 1929

Ortschaften auf einer kleinmaßstäblichen Karte – Carte de l’Afrique à l’echelle de 1/5M, 1929

Ortschaften bei größerem Maßstab - Survey of India 1:126k Sheet 72C/SW, 1937

Ortschaften bei größerem Maßstab – Survey of India 1:126k Sheet 72C/SW, 1937

23. Juni 2026
von chris
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FOSSGIS Mitgliedsbeiträge – das Ende der Geschichte

Mein (ziemlich sicher) letzter Beitrag zu der Sache mit den FOSSGIS-Mitgliedsbeiträgen.

Die gestrige virtuelle Mitgliederversammlung des Vereins hat die Erhöhung der Beiträge wie erwartet beschlossen. Die einzige beschlossene Änderung gegenüber dem Vorschlag des Vorstands in Bezug auf die Individual-Mitgliedschaften ist, dass der ermäßigte Beitrag nicht mehr für nicht erwerbstätige Mitglieder vorgesehen ist, sondern für Mitglieder, deren finanzielle Situation einen reduzierten Mitgliedsbeitrag erfordert. Die konkrete Formulierung ist:

Das Mitglied entscheidet eigenverantwortlich darüber, ob seine finanzielle Situation einen reduzierten Mitgliedsbeitrag erfordert. Hierzu reicht eine formlose Mitteilung an den Vorstand.

Das eigenverantwortlich war – ich hatte das diskutiert – bis jetzt auch schon so, aber man musste halt behaupten, dass man nicht erwerbstätig ist, um in den Genuss des reduzierten Mitgliedsbeitrags zu kommen. Jetzt muss man behaupten, dass die eigene finanzielle Situation es erfordert.

Der FOSSGIS ist damit – so weit mir bekannt – das einzige local chapter der OSMF, welches den Mitgliedsbeitrag von finanzieller Bedürftigkeit abhängig macht. Ob das eine gute Idee ist, darüber kann man sicher diskutieren.

Es gab zwar für die von mir gemachten Vorschläge durchaus einzelne Sympatie-Äußerungen, aber letztendlich kein substantielles Interesse unter den anwesenden Mitgliedern, das tatsächlich in einen Beschluss zu gießen oder gegen die Erhöhung zu stimmen. Die Abstimmung über die jetzt beschlossene Beitragsordnung ging mit 52 Stimmen dafür, 3 dagegen und 7 Enthaltungen zu Ende.

Ich hatte bereits in der ersten Diskussion der Saga der OSMF-Mitgliedsbeiträge meine Einschätzung dargelegt, dass sich der FOSSGIS hier an einem entscheidenden Punkt seiner Entwicklung befindet. Und ich hatte dies mit meinem Hinweis auf die Pfadabhängigkeit in einem weiteren Kommentar noch einmal unterstrichen. Diese Richtungsentscheidung ist jetzt denke ich gefallen, wenngleich sie sich im Grunde schon seit spätestens 2020 abzeichnet.

Wie bedenklich diese Richtung insgesamt ist lässt sich denke ich sehr schön daran ablesen, wie ehrenamtliche Arbeit aus dem Verein heraus betrachtet wird. Das zentrale Argument für die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge besteht nach wie vor darin, dass man einen Mangel an Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement wahrnimmt und deshalb der Ansicht ist, dass sich die Vereinsziele nur durch bezahlte Arbeit nachhaltig verfolgen lassen. Gleichzeitig wird aber die Idee, dass man bei der Gestaltung der Mitgliedsbeiträge eine Wertschätzung für eben solche ehrenamtliche Arbeit erkennen lässt – wie ich es ja in meinem Entwurf vorgeschlagen habe, zurückgewiesen. Das ist quasi Pfadabhängigkeit aus dem Lehrbuch. Das ist insbesondere bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie viel ehrenamtliche Arbeit in der OSM-Community insgesamt geleistet wird, und zwar völlig losgelöst und unabhängig vom FOSSGIS und anderen Organisationen, dass es also ganz klar keinen generellen Mangel an Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement in der OSM-Community gibt.

Wie auch immer – der Verein hat die Weichen so gestellt und wir müssen damit umgehen. Ich für meinen Teil habe beschlossen, meine Mitgliedschaft im FOSSGIS zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Ich möchte aber betonen, dass dies meine individuelle Entscheidung ist und damit keine Empfehlung an Andere verbunden ist. Jeder muss das für sich entscheiden. Ich kann völlig nachvollziehen, wenn andere im FOSSGIS eine nützliche Plattform für die Verfolgung ihrer Interessen sehen. Und wie ich in meiner Antwort auf Frederiks Kommentar zum ersten Beitrag in dieser Serie dargelegt habe, kann ich darüber hinaus auch nachvollziehen, wenn es der FOSSGIS als Organisation als notwendig erachtet, dass sich seine Mitglieder den Kollektiv-Entscheidungen und Regeln der Organisation unterordnen. Für mich passt das halt nicht zu dem Bild, welches ich von OpenStreetMap als offenem sozialem Projekt habe, in dem ich mich ehrenamtlich engagiere.

Als ich im April meine Idee für ein deutlich anderes Konzept der Mitgliedsbeiträge erstmals skizziert hatte, war mir klar, dass – im unwahrscheinlichen Fall, dass der FOSSGIS so etwas tatsächlich einführen würde – ich genötigt wäre, Fördermitglied zu werden, denn alles andere wäre ziemlich verlogen gewesen. Interessanterweise war in der Diskussion zu diesem Aspekt meines Vorschlags das zentrale Argument – welchem auch niemand außer mir ernsthaft widersprochen hat – dass die Mitglieder freiwillig nicht mehr als nötig zahlen würden, und dass Druck, oder zumindest Nudging, notwendig ist, um sie zu höheren finanziellen Beiträgen zu bringen. Dieses Bild passt natürlich gut zur Rolle des FOSSGIS als Interessenvertretung seiner Mitglieder, wo es allen letztendlich vor allem um die eigenen Interessen geht. Die Idee, dass der FOSSGIS auch ein anderes Selbst-Verständnis entwickeln könnte, wo man sich nicht in erster Linie aufgrund gemeinsamer Interessen zusammen findet und organisiert, sondern aufgrund gemeinsamer Ideale und Werte, und die Mitglieder frei sind in ihrer Entscheidung, sich entweder durch ehrenamtliche Arbeit oder durch finanzielle Beiträge für diese Ideale und Werte zu engagieren – diese Idee schien niemand der Anwesenden auf dem Radar zu haben.

Und bei aller Kritik, die ich immer wieder an der OSMF äußere – in Hinblick auf die Struktur der Mitgliedsbeiträge präsentiert sich die OSMF da gegenüber ihren (derzeitigen wie potentiellen zukünftigen) Mitgliedern ganz anders.

Was mir übrigens auch klar geworden ist, dass wir in OpenStreetMap ja keineswegs daran gebunden sind, in der lokalen Vertretung Mitglied zu werden, die räumlich quasi für uns zuständig ist. Wie der FOSSGIS haben die meisten OSMF local chapters keine Aufnahme-Voraussetzung, dass man aus dem räumlichen Zuständigkeitsbereich des local chapter stammt, oder dort wohnt. Es ist uns also allen unbenommen, dort Mitglied zu werden, wo wir den Eindruck haben, dass die Organisation am besten zu uns passt.

18. Juni 2026
von chris
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FOSSGIS-Mitgliedsbeiträge – Update #3

Ein weiterer Nachtrag zum Thema FOSSGIS-Mitgliedsbeiträge – Vorherige Texte dazu von mir hier, hier und hier.

Die virtuelle Mitgliederversammlung, auf der der FOSSGIS über die zukünftigen Mitgliedsbeiträge entscheidet, ist – wie schon berichtet – für den kommenden Montag angesetzt. Wer FOSSGIS-Mitglied ist, sollte dafür Einladung und Zugangs-Daten erhalten haben.

Ich hab dafür meinen informell skizzierten Vorschlag in eine Beschlussvorlage ausgearbeitet und möchte dies hier auch für alle Nicht-FOSSGIS-Mitglieder transparent dokumentieren.

Die Struktur und die Teile zu Zahlungstermin und zu den Beiträgen für juristische Personen basieren auf der Vorlage des Vorstandes, welche weitgehend dem entspricht, was bereits im März diskutiert worden war (Die Vereins-interne Diskussion hat also bis jetzt nicht zu substantiellen Änderungen geführt). Ich hab das lediglich in einigen Details und natürlich für die Individual-Beiträge entsprechend meines Vorschlags vom April geändert. Dabei habe ich die Idee der ermäßigten Mitgliedschaft für OSM-Aktive auf alle erweitert, die in erheblichem Umfang ehrenamtlich für die FOSSGIS-Vereinsziele tätig sind. Das schließt also neben den OSM-Aktiven auch alle unbezahlt im FOSS-Bereich tätigen ein.

Hier die Vorlage:

Die Mitgliederversammlung möge folgende Beitragsordnung gemäß §5 der Satzung beschließen:

Zahlungstermin

Beiträge werden immer für ein volles Kalenderjahr erhoben, unabhängig davon, wann der Eintritt oder Austritt des Mitglieds erfolgt. Bei Eintritten im Dezember werden für das Eintrittsjahr keine Beiträge fällig.

Mitgliedsbeiträge sind im voraus nach Rechnungsstellung durch den Verein fällig. Die Rechnungsstellung erfolgt nach Beginn des Jahres, für welches der Beitrag erhoben wird. Bei Neumitgliedern erfolgt die Rechnungsstellung für das erste Mitgliedsjahr innerhalb eines halben Jahres nach Eintritt.

Beiträge für natürliche Personen

Für natürliche Personen gibt es drei verschiedene Beitrags-Tarife:

  • den Normaltarif von 30 EUR pro Jahr.
  • den ermäßigte Tarif von 10 EUR pro Jahr.
  • den Fördertarif für eine Förder-Mitgliedschaft von 90 EUR pro Jahr.

Der ermäßigte Tarif ist fällig für Mitglieder, die in erheblichem Umfang ehrenamtlich für die Ziele des Vereins tätig sind. Referenz-Zeitraum hierfür ist das Kalenderjahr vor dem Jahr, für welches der Beitrag erhoben wird. Über die Einstufung entscheidet der Vorstand auf Grundlage vom Mitglied bereitgestellter Informationen über die ehrenamtlichen Tätigkeiten. Bei für OpenStreetMap ehrenamtlich Aktiven wird als Richtwert für erheblichen Umfang ehrenamtlicher Tätigkeit belegte Mapping-Arbeit an 42 Tagen des Referenz-Jahres festgelegt. Für anderweitig ehrenamtlich für die Ziele des Vereins tätige Mitglieder soll der Umfang der ehrenamtlichen Tätigkeit für die Einstufung im ermäßigten Tarif auf einem vergleichbaren Niveau liegen.

Der Fördertarif ist fällig für Mitglieder, die sich freiwillig für eine Förder-Mitgliedschaft entscheiden. Die Entscheidung für die Förder-Mitgliedschaft ist im Mitgliedsantrag anzugeben und kann nur im voraus für das folgende Kalenderjahr geändert werden. Die Förder-Mitgliedschaft wird allen Mitgliedern empfohlen, welche beruflich routinemäßig und in erheblichem Umfang mit der Entwicklung oder Nutzung von freier GIS Software oder mit der Nutzung offener Geodaten befasst sind oder unternehmerisch in diesen Bereichen tätig sind.

Für alle anderen natürlichen Personen gilt der Normaltarif.

Beiträge für juristische Personen

Für juristische Personen ist die Beitragshöhe in der Regel abhängig von der Anzahl der Mitarbeitenden umgerechnet auf Vollzeitäquivalente (VZÄ). Aus der Anzahl der VZÄ ergibt sich dann die Beitragsstufe:

  • Stufe J1: bis zu 5 VZÄ: 500 EUR
  • Stufe J2: bis zu 15 VZÄ: 1200 EUR
  • Stufe J3: bis zu 30 VZÄ: 3000 EUR
  • Stufe J4: mehr als 30 VZÄ: 5000 EUR

Änderungen an der Anzahl der Mitarbeitenden, welche Auswirkungen auf die Beitragsstufe haben, müssen dem Verein unverzüglich mitgeteilt werden. Ab dem folgenden Jahr wird der Beitrag gemäß der neuen Stufe berechnet.

Für die VZÄ zählen alle abhängig beschäftigten, weisungsgebundenen Mitarbeitenden, nicht jedoch freie Mitarbeitende.

Nicht gewinnorientierte Institutionen (wie z.B. Körperschaften des öffentlichen Rechts oder gemeinnützig tätige Unternehmen oder Vereine) werden gegenüber der Anzahl der Mitarbeitenden zwei Stufen niedriger eingestuft.

Juristische Personen können sich in eine andere Beitragsstufe einordnen lassen, wenn für sie die Einstufung nach VZÄ eine unbillige Härte darstellen würde, z.B. weil sie sehr viele Mitarbeitende haben, die aber zu großen Teilen nicht im GIS-Bereich oder mit offenene Geodaten arbeiten oder weil sie als internationales Unternehmen noch in anderen Local Chaptern der OSGeo oder OSMF Mitglied sind. Ebenso möglich ist eine freiwillig höhere Einstufung, zum Beispiel bei umsatzstarken Unternehmen mit geringer Mitarbeiter-Zahl. Die Einstufung ist unter Angabe von Gründen beim Vorstand zu beantragen, der über die Einstufung entscheidet. Gegen die Entscheidung des Vorstandes ist die Anrufung der Mitgliederversammlung möglich.

Transparenz und Würdigung

Der Vorstand veröffentlicht regelmäßig eine Liste der juristische Personen, welche Mitglieder im Verein sind, einschließlich ihrer Einstufung.

Ebenso regelmäßig veröffentlicht wird eine Liste der Förder-Mitglieder, so weit diese es wünschen, dass ihre Förder-Mitgliedschaft öffentlich gewürdigt wird.

Und hier die Begründung, die ich den Mitgliedern dazu vorgelegt habe:

Diese Vorlage ist eine Ausarbeitung des auf https://imagico.de/blog/de/die-saga-der-fossgis-mitgliedsbeitraege/ vorgestellten Konzeptes. Detaillierte Erläuterungen und Begründungen finden sich dort. Diese Vorlage bringt die Mitglieds-Beiträge in das Mittelfeld der Beiträge lokaler Vertretungen der OSMF, während die Vorlage des Vorstands den FOSSGIS bezüglich der Beitragshöhe für aktive OSMer oberhalb aller OSMF local chapters und bei einem mehrfachen der mittleren Beitrags-Höhe der local chapter westlicher Industriestaaten (weniger als EUR 20) positionieren würde. Daneben würdigt diese Vorlage explizit das ehrenamtliche Engagement für die Ziele des FOSSGIS wie auch die freiwillige finanzielle Unterstützung, ohne dass die Mitsprache im Verein an die Bereitschaft und Fähigkeit für eine finanzielle Unterstützung geknüpft wird.

Falls die Mitglieder den Empfehlungen für die Förder-Mitgliedschaft folgen, wäre diese Vorlage gegenüber der des Vorstands was die Individual-Beiträge betrifft vermutlich mindestens kostenneutral

Die Regelungen zum Zahlungstermin und zu juristische Personen basieren weitgehend auf der Vorlage des Vorstandes, sind aber in einigen Punkten leicht modifiziert, erweitert und präzisiert und mit konkreten Zahlenwerten aus dem Antrag der vorherigen Mitgliederversammlung bestückt.

Die Vorlage darf gerne frei as Grundlage für andere Vorschläge verwendet werden.

Hinweis: Nicht jedes Unternehmen ist eine juristische Person, die Beiträge für juristische Personen gelten also nicht für alle Unternehmen, sondern nur für bestimmte Rechtsformen. Hier wäre eine Satzungsänderung sinnvoll (Ersetzen der Mitgliedschaft mit Stimmrecht für juristische Personen durch eine Unternehmens/Institutions-Mitgliedschaft ohne Stimmrecht, welche von der Rechtsform unabhängig ist). Ist aber ein anderes Thema.

Pipeline rendering consistent across tile edges

6. Juni 2026
von chris
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Auf Linie bleiben – Nicht-Lokalität in der Karten-Darstellung, Teil 2

Ich hatte vor einiger Zeit allgemein über Nichtlokalität bei der gekachelten regelbasierten Kartendarstellung geschrieben, und dieser Beitrag stieß auf recht großes Interesse – darunter auch ein erneutes Interesse an der OSM-Carto-Entwicklung im Hinblick auf Probleme, bei denen Nichtlokalität seit langem bekannt ist. Ich habe nun einige Ergänzungen zu einem bestimmten Aspekt dieses Themas geschrieben – in englischer Sprache.

Putting animals on the map

24. Mai 2026
von chris
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Kartendesign für Tiere

OpenStreetMap verfolgt das Ziel, weltweit lokales geografisches Wissen zu sammeln und eine Karte von den Menschen für die Menschen zu erstellen. In der Praxis besteht jedoch eine erhebliche Kluft zwischen diesem hochgesteckten Ideal und der tatsächlichen Realität der Kartierung.

Ein sehr gutes Beispiel, um diese Diskrepanz zwischen Ideal und Realität von OpenStreetMap zu veranschaulichen, ist die tierbezogene Infrastruktur. Die Tierhaltung ist in weiten Teilen der Welt von enormer wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung und macht weltweit einen erheblichen Teil der Landnutzung aus. Wildtiere und die von ihnen geschaffenen Strukturen bilden einen wesentlichen Teil der Ökosysteme. Dies spiegelt sich jedoch nicht in der praktischen Kartierung in OpenStreetMap wider. Die Kartierung von tierbezogener Infrastruktur und Landnutzung ist eher marginal, und die meisten Kartierungs- und Tagging-Konzepte in diesem Bereich sind im Vergleich zu anderen thematischen Bereichen semantisch recht oberflächlich. Darüber hinaus wird die Kartierung tierbezogener Infrastruktur von Elementen mit Bezug zu Haustieren dominiert.

Dies spiegelt die massive Überrepräsentation der städtischen Bevölkerung unter den Mappern in OpenStreetMap wider. Da Tierhaltung und Viehwirtschaft vorwiegend in ländlichen Gebieten betrieben werden, haben viele Mapper im Grunde keinen Bezug zu diesem gesamten Bereich.

Und diese Verzerrung spiegelt sich natürlich auch in Karten wider, die auf OpenStreetMap-Daten basieren. Selbst die differenzierte Darstellung der Landwirtschaft im Allgemeinen (wo die Erfassung etwas weiter verbreitet und detaillierter ist als bei der Tierhaltung) ist in OSM-basierten Karten selten, während Elemente, die nicht mit Haustieren zu tun haben, fast vollständig fehlen.

Ich habe jetzt ein paar Ideen entwickelt, wie man die wenigen Tier-bezogenen Elemente, für die sich in OpenStreetMap Konzepte zur Erfassung herausgebildet haben, in einer digitalen Karte darstellen kann. Details dazu erläutere ich in einem Beitrag in englischer Sprache.

Einige der neuen Karten-Elemente mit Tier-Bezug

Einige der neuen Karten-Elemente mit Tier-Bezug

22. Mai 2026
von chris
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Nachtrag #2 zu den FOSSGIS-Mitgliedsbeiträgen.

Ich möchte meine bisherige Diskussion der FOSSGIS-Mitgliedsbeiträge und daran anknüpfend der Vereins-Struktur mit einem Update zu den Entwicklungen im FOSSGIS ergänzen.

Ich hatte ja geschrieben, dass die Mitgliederversammlung im März beschlossen hatte, die Entscheidung über die Mitgliedsbeiträge auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu vertagen, die später im Jahr erstmalig regulär (also nicht als Pandemie-Ausnahme) online stattfinden soll und dass angekündigt war, davor ein informelles vereinsinternes Treffen zur Diskussion zu veranstalten.

Die außerordentliche Mitgliederversammlung ist nun für den 22. Juni angekündigt worden und die interne Diskussionsrunde hat am 6. Mai stattgefunden. Dazu gibt es ein Ergebnisprotokoll. Daneben fand wohl auf einem Arbeitstreffen des Vereins (welches regelmäßig stattfindet) eine Diskussion in kleinerem Kreis statt, welche ebenfalls öffentlich dokumentiert ist.

Ich möchte hier in erster Linie diese Verweise auf das, was aus dem Verein und der vereinsinternen Diskussion nach außen sichtbar ist, mit der gesamten OSM-Community teilen. Diese Protokolle geben einen gewissen Einblick in die Sicht aus dem Verein auf das Thema. Obwohl man sich meiner Kommentare zu dem Thema offenbar bewusst ist, drehen sich die vereinsinternen Diskussionen anscheinend im wesentlichen um ganz andere Aspekte, als diejenigen, die ich diskutiert habe. Das ist auch durchaus nachvollziehbar, denn, wie ich ja erläutert habe, nimmt der FOSSGIS neben seiner Rolle als lokale Vertretung für OpenStreetMap für Deutschland auch die Rolle einer Interessenvertretung professioneller FOSS-Entwickler und -Anwender im GIS-Bereich war. Es ist aber auf jeden Fall interessant zu sehen, wie die interne Wahrnehmung aus dem Verein heraus auf die verschiedenen Aspekte, die ich auch diskutiert habe, aussieht, sowohl, was die Erhöhung der Beiträge selbst betrifft, als auch die Unterscheidung Erwerbstätige/nicht Erwerbstätige, und wie das Ganze begründet wird.

Ich möchte das hier nicht erneut im Detail kommentieren, denn ich habe dies ja bereits recht detailliert getan und die verlinkten Protokolle bieten zu den von mir angeschnittenen Themen wenig argumentativ neues. Ich möchte aber meinen Lesern – und zwar unabhängig davon, ob ihre Perspektive eher die eines Mitglieds der Hobby-Mapper-Community, oder die eines Repräsentanten professioneller Interessen ist – nahe legen, diese Entwicklung und die verlinkten Dokumente vor allem auch vor dem Hintergrund der Pfadabhängigkeit zu betrachten.

1. Mai 2026
von chris
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Nachtrag zum FOSSGIS

Aus der Diskussion zu meinem Text über die FOSSGIS-Mitgliedsbeiträge ist mir klar geworden, dass meine Darstellung – und insbesondere die Vorschläge – etwas unvollständig sind.

Ich habe recht deutlich kritisiert, dass der FOSSGIS-Verein, seit er 2017 zu einer lokalen Vertretung von OpenStreetMap in Deutschland geworden ist, den latenten Konflikt zwischen der Rolle als Interessenvertretung der professionellen Entwickler und Anwender von Freier und Open Source Software im GIS-Bereich und der Repräsentanz der deutschen Hobby-Mapper-Community nicht aufgelöst hat. Und ich habe Vorschläge bezüglich der Mitgliedsbeiträge und der kulturellen Öffnung des Vereins gemacht, um dieses Problem anzugehen. Auch diese würden jedoch – das dürfte den meisten klar sein – den Konflikt nicht wirklich auflösen.

Deshalb möchte ich hier ergänzend skizzieren, wie man den Konflikt auf der strategischen Ebene angehen und hoffentlich nachhaltig lösen könnte.

Mit der derzeitigen Formalstruktur des Vereins besteht das Problem darin, dass eine substantielle öffnung des Vereins für die Hobby-Mapper-Community nur dann funktioniert, wenn die Hobby-Mapper(innen) in größerer Zahl in den Verein eintreten und in ihm aktiv werden – und dabei Ihre Vorstellungen von Arbeitsweise und Kooperations-Kultur mitbringen. Das Ergebnis wäre eine Übernahme des Vereins durch die OSM-Community. Das Problem würde sich im Vergleich zur derzeitigen Situation also im Grunde nur umkehren. Grund dafür liegt in der Struktur des Vereins, welche sowohl auf der Vorstands-Ebene wie auch auf der Mitglieder-Ebene zentralistisch ist und auf Mehrheitsentscheidungen basiert.

Die offensichtliche Lösung wäre, den FOSSGIS in zwei Vereine aufzuteilen. Und falls es tatsächlich zu einer Übernahme des FOSSGIS durch die OSM-Community käme (was – wie schon angedeutet, aufgrund des verbreiteten Desinteresses in der deutschen Hobby-Mapper-Community kaum realistisch wäre – selbst bei guten Voraussetzungen) wäre dies das wahrscheinlichste Ergebnis, denn die FOSS-Entwickler und -Anwender würden sich dann vermutlich anderweitig organisieren.

Mit dieser Lösung würde man sich aber die im vorherigen Beitrag angedeuteten Chancen und Synergien, die gerade in der Verbindung von Freier und Open Source Software und OpenStreetMap bestehen, verbauen.

Die Strategie, wie man professionelle Interessenvertretung und Repräsentanz und Organisation der Hobby-Mapper-Community in einem Verein nachhaltig ausbalancieren könnte, wäre eine föderale Struktur. Die beiden großen Segmente der Vereinsziele und der Vereinsarbeit würden weitgehend autonom nebeneinander existieren, könnten gemeinsame Strukturen nutzen, müssten dies aber nicht. Mitglieder könnten sich frei und auf Grundlage jeweils anderer formeller und informeller Regeln an der planvollen Verfolgung der jeweiligen Ziele der beiden autonomen Teile des Vereins beteiligen und müssten sich dafür nicht den Regeln des jeweils anderen Segmentes unterordnen.

Wichtig ist, dass diese (innere) Autonomie tatsächlich formalisiert ist, dass man also nicht nur sagt: Ja, ihr könnt da in Eurer Arbeitsgruppe frei agieren, aber im Zweifelsfall kann Euch der Vorstand oder die Mitgliederversammlung jederzeit per einfacher Mehrheitsentscheidung den Laden dicht machen.

Damit das Ganze dann trotzdem nicht nur formell, sondern auch de facto ein Verein bleibt, müsste man ein Aufsichts-Gremium schaffen, welches zwischen den autonomen Strukturen und den notwendigen und sinnvollen zentralen Entscheidungen (beispielsweise zu Budget-Fragen) moderiert. Dieses Gremium müsste man paritätisch besetzen, so dass sichergestellt wird, dass nicht ein Teil des Vereins über den anderen dominiert.

Diese Art von Struktur ist nichts Neues, so was gibt es beispielsweise bereits im Bereich von Vereinen, die einzelne große FOSS-Projekte managen. Dort gibt es dann meist ein Aufsichts-Gremium, welches aus Entwicklern und Anwendern paritätisch besetzt ist.

Dass die Chancen, dass sich der FOSSGIS-Verein tatsächlich derart grundsätzlich umstrukturiert (sprich: die Mitgliederversammlung die dafür notwendige 3/4-Mehrheit aufbringt), deutlich geringer sind, als dass meine Ideen für die Mitgliedsbeiträge umgesetzt werden, ist mir klar. Worum es mir geht ist, klarzustellen, dass dies ein praktisch lösbares Problem ist, wenn denn der kollektive Wille dafür da ist, und nicht ein unlösbares Dilemma, mit dem man sich einfach arrangieren muss.

17. April 2026
von chris
4 Kommentare

Die Saga der FOSSGIS-Mitgliedsbeiträge

Ich hatte eigentlich bereits beschlossen, diesen Blogbeitrag nicht zu schreiben – die Entwicklungen haben mich jetzt jedoch dazu verleitet, diese Entscheidung zu revidieren. Aber ich möchte in der korrekten Reihenfolge beginnen, damit alle gedanklich folgen können, auch diejenigen, die keine FOSSGIS-Mitglieder sind und deshalb von diesen Dingen vermutlich bis jetzt kaum etwas mitbekommen habe.

Vorgeschichte

Der FOSSGIS-Verein hat historisch im Grunde als Interessenvertretung der professionellen Entwickler und Anwender von freier und Open-Source Software im GIS-Bereich begonnen. Die Vereins-Ziele waren allerdings von Anfang an deutlich breiter definiert und der FOSSGIS hat sich während meiner Zeit eigentlich immer durch eine Offenheit gegenüber Aktivitäten außerhalb dieses Kernbereiches gezeigt, was ich immer als sehr positiv empfunden habe. Das galt aber am Ende nur, so lange die Dominanz der professionellen Interessen nicht in Frage gestellt wurde. Sprich: Die ja im FOSS-Bereich ganz generell recht große Bedeutung von Entwicklung und Anwendung im nicht professionellen, privatem Bereich war zwar akzeptiert und anerkannt, aber im Verein ganz klar als dem professionellen Bereich untergeordnet platziert – etwas, was in der globalen FOSS-Community nicht generell der Fall ist.

Ende 2017 wurde dann der FOSSGIS-Verein eine lokale Vertretung für OpenStreetMap für Deutschland. Damit wurde die Dominanz der professionellen Interessenvertretung im Verein eigentlich unmittelbar in Frage gestellt und es hätte eigentlich die Möglichkeit bestanden, dass die deutsche OSM-Mapper-Community den Verein übernimmt. Dies fand nicht statt, und zwar in erster Linie aus drei Gründen:

  • OpenStreetMap war bereits zuvor ein wichtiges Thema im Verein, insbesondere auch unter professionellen Entwicklern und Anwendern. Es war also nicht so, dass OpenStreetMap völlig neu in den Verein kam und OSM-Aktive dort ein unbestelltes Feld vorfanden, sondern das Thema war dort schon etabiert und in die professionell geprägten Strukturen des Verein integriert.
  • Die deutsch Mapper-Community war und ist – obwohl sie weltweit zu den größten und aktivsten lokalen Communities zählt – sehr individualistisch und sehr wenig organisiert. Die überwältigende Zahl der Mapper in Deutschland ist zufrieden damit, einzeln für sich zu mappen und verspürt über eventuelle lokale Stammtisch-Treffen hinaus keinerlei Bedarf, sich zu organisieren und zu engagieren, schon gar nicht dort, wo es noch keine fertigen Strukturen gibt, sondern man etwas neu aufbauen muss.
  • Die Hürden für die formelle Mitgliedschaft im Verein waren insbesondere am Anfang 2017-2018 recht hoch, man musste einen schriftlichen Mitgliedsantrag (auf Papier) einreichen und einen Mitgliedsbeitrag leisten, der mit EUR 30 pro Jahr beim doppelten des Beitrags für die OSMF lag. Damit lag die Zahl der Hobby-Mapper, die aufgrund der neuen Funktion des FOSSGIS in den ersten Jahren in den Verein eingetreten sind, vermutlich deutlich unterhalb der Zahl bestehenden professionellen Mitglieder mit OSM-Bezug. Daneben war (und ist nach wie vor) eine Mitsprache bei formellen Entscheidungen des Vereins de fakto an eine physische Anwesentheit bei der Jahres-Hauptversammlung gebunden. Eine Online-Teilnahme ist nicht vorgesehen (mit Ausnahme der COVID-Jahre durch eine gesetzliche Sonderregelung) und eine Delegation von Stimmen ist nur sehr begrenzt möglich (ein anwesendes Mitglied kann nur eine Stimme delegiert bekommen).

Damit war also nicht nur eine Übernahme des Vereins durch die OSM-Commmunity praktisch ausgeschlossen, de facto haben die Hobby-Mapper im Verein auch so gut wie kein Gewicht.

2020 hat die Mitglieder-Versammlung dann beschlossen, den Mitgliedsbeitrag für Einzelpersonen von EUR 30 auf EUR 40 zu erhöhen. Gleichzeitig wurde der Mitgliedsbeitrag für Firmen-Mitgleider von EUR 100 auf EUR 200 verdoppelt und die Schaffung einer permanenten bezahlten (Teilzeit-)Stelle im Verein für administrative Arbeiten beschlossen. Ich war damals nicht auf der Versammlung, kann also über die Diskussion dort nichts berichten, was über das Protokoll hinaus geht (Wer sich erinnert: das war damals die legendäre FOSSGIS-Konferenz quasi am Vorabend des ersten Pandemie-Lockdowns).

Die bezahlten Arbeiten im Verein, die sich bis dahin auf interne, administrative Funktionen beschränkten, wurden dann, 2023, um eine sogenannte OSM-Beratungsstelle erweitert (siehe hier – die Details zur Aufgabenbeschreibung sind anscheinend mittlerweile depubliziert). Diese und die Ideen dahinter und deren praktische Entwicklung wären Thema für einen eigenen Beitrag, ich lass das hier der Kürze wegen weg. Zusammen mit der Ankündigung der Schaffung einer weiteren Position vor einem Monat für die Entwicklung eines Angebotes von OpenStreetMap-Schulungen im Rahmen des FOSSGIS kann man sagen, dass der Verein zunehmend im Bereich Dienstleistungen zu OpenStreetMap tätig wird, und dabei in erster Linie auf bezahlte Arbeit setzt. Die Versuche, dafür Geld einzuwerben, scheinen durchwachsen zu sein – die Idee eines Förderprogrammes, welche auf der Mitgliederversammlung 2025 vorgestellt wurde (ich hatte darüber geschieben) scheint nicht sonderlich gut zu laufen – stattdessen scheint man verstärkt zu versuchen, sich um öffentliche Fördermittel zu bemühen. Bemerkenswert ist dies vor allem in Anbetracht des breiten Spektrums an unbezahlter Beratungs- und Lobbying-Arbeit, welche seit vielen Jahren durch die Hobby-Mapper-Community geleistet wird, und welche jetzt natürlich den bezahlten Aktivitäten im FOSSGIS gegenüber steht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der FOSSGIS sich zunehmend als OpenStreetMap Deutschland präsentiert und damit einen Vertretungsanspruch für die deutsche OSM-Community impliziert. Dies wird auf der einen Seite auch in der öffentlichen Kommunikation des Vereins unterstrichen, wo man von Uns, der Community spricht, sich aber gleichzeitig auch gegen die Community abgrenzt und der Verein als Verbindung zur Community dargestellt wird.

Der Mitglieds-Beitrag

So weit zur Vorgeschichte. Vor der diesjährigen Mitglieder-Versammlung hat dann der Vorstand einen Vorschlag an die Mitglieder verschickt, den Mitgliedsbeitrag abermals zu erhöhen, und zwar auf EUR 60 – also zusammen mit der vorherigen Änderung eine Verdoppelung innerhalb von sieben Jahren, und es würde den FOSSGIS bei der Höhe der Mitgliedsbeiträge unter den OSMF local chapters ziemlich an die Spitze katapultieren. Ich war auch dieses Jahr nicht auf der FOSSGIS-Konferenz, also auch nicht auf der Mitglieder-Versammlung, aber es gab anscheinend eine Diskussion und der Vorschlag des Vorstandes wurde nicht angenommen, stattdessen wurde der Vorstand beauftragt, eine Online-Mitglieder-Versammlung zu initiieren, auf der das Thema diskutiert und ein Beschluss gefasst werden soll.

Ich hatte nach der ursprünglichen Ankündigung und der von mir erwarteten Zustimmung der Mitglieder-Versammlung bereits beschlossen, das als Anlass dafür zu nehmen, meine Mitgliedschaft im FOSSGIS zu beenden, war aber jetzt angenehm überrascht, dass es anscheinend nicht nur eine kritische Diskussion zu dem Vorschlag gab, sondern dass auch beschlossen wurde, die Sache zumindest innerhalb des Vereins so breit wie möglich zu diskutieren. Und ich möchte mit diesem Beitrag versuchen, diese Diskussion auch für die OSM-Community außerhalb des Vereins zu öffnen. Ob das am Ende dann gehört wird, ist natürlich offen. Bei Vereins-internen Diskussionen in den vergangenen Jahren haben Vereins-Aktive, auch aus dem Vorstand, immer wieder durchblicken lassen, dass sie möchten, dass Entscheidungen des Vereins ausschließlich innerhalb des Vereins entschieden werden und Diskussionen außerhalb nicht erwünscht sind.

Zur Einordnung der Beitragshöhe: Der normale Mitgliedsbeitrag beim FOSSGIS von derzeit EUR 40, vorgeschlagen zukünftig EUR 60, ist für Erwerbstätige. Für nicht Erwerbstätige gibt es einen reduzierten Beitrag von derzeit EUR 10, vorgeschlagen zukünftig EUR 15. Der Verein definiert Erwerbstätigkeit nicht, das Ganze ist eine Selbst-Deklaration. Diese Unterscheidung ist, insbesondere in Deutschland mit seiner derzeitigen Demographie, schon ein ziemlicher Stinkefinger für Leute, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen, während Leute, die Aufgrund von substantiellem Nicht-Erwerbs-Einkommen nicht arbeiten müssen, weniger zahlen müssen – unabhängig davon, ob dieses Einkommen höher oder niedriger ist, als das Erwerbs-Einkommen der Erwerbstätigen.

Betrachten wir den Jahresbeitrag im Vergleich zu anderen professionellen Vereinigungen und Interessenverbänden in Deutschland dann ist selbst EUR 60 nicht sonderlich hoch. Interessanter ist der Vergleich im OSM-Umfeld. Hier mal die Jahres-Beiträge für Individuen für diverse Organisationen:

  • OSMF: GBP 15, kostenlos für OSM-Aktive
  • OSM Frankreich: EUR 20
  • OSM Schweiz: CHF 20
  • OSM Österreich: kostenlos
  • OSM UK: GBP 5
  • OSM US: USD 20
  • OSGeo Oceania: kostenlos
  • OSM Belgium: kostenlos
  • Wikimedia Italia: EUR 25
  • Stowarzyszenie OpenStreetMap Polska: PLN 50 (EUR 12)
  • Asociación de Cartografía Colaborativa de Colombia: COP 350 (EUR 82), COP 175 (EUR 41) für OSM-Aktive

Kurz: Selbst mit den derzeitigen EUR 40 ist der FOSSGIS in der absoluten Spitzengruppe im OSM-Bereich, mit EUR 60 wäre man das teuerste OSMF local chapter für OSM-Aktive. Im Bereich westlicher Länder mit größerer Mapper-Community sogar mit einem gewaltigen Abstand.

Das häufigste Argument für hohe Individual-Mitgliedsbeiträge, dass ich gewöhnlich höre, ist, dass sich der Verein nicht von der Finanzierung durch externe Interessen abhängig machen möchte. Dieses Argument zieht aber nur, wenn ein Verein sich ernsthaft bemüht, mit den begrenzten Zuwendungen, die die Einzel-Mitglieder in der Lage und bereit sind, zu geben, auch sparsam zu haushalten. Das ist aber beim FOSSGIS ganz klar nicht der Fall. Die prognostizierten Individual-Mitgliedsbeiträge summieren sich beim FOSSGIS selbst mit einer Beitrags-Höhe von EUR 60 auf unter EUR 20k. Damit kann nicht mal die 2020 geschaffene Stelle für administrative Arbeiten finanziert werden. Ich persönlich finde die Idee eines Vereins OpenStreetMap Deutschland, welcher sich aus Individual-Beiträgen finanziert und nicht für regelmäßige Ausgaben von Finanzierung durch externe Interessen abhängig ist, durchaus reizvoll. Aber dafür wäre es notwendig, den Verein praktisch vollständig auf ehrenamtlicher Arbeit aufzubauen. Der FOSSGIS hat sich schon vor vielen Jahren, spätestens 2020, ganz klar dagegen entschieden. Da jetzt damit zu kommen, dass die Beitragserhöhung irgendwie eine finanzielle Unabhängigkeit sichert, passt nicht zur wirtschaftlichen Realität des Vereins.

Was bei der ganzen Frage immer im Raum steht, ist das in der Vorgeschichte beschriebene Spannungsfeld im FOSSGIS zwischen der professionellen Interessenvertretung für FOSS-Anwender und -Entwickler, einschließlich solcher mit OSM-Bezug, und dem Anspruch, die Vertretung der deutschen Hobby-Mapper-Community zu sein. Ein hoher Mitgliedsbeitrag bewirkt – unabhängig ob so intendiert, oder nicht – dass die Anzahl der Mitglieder ohne professionelle Interessen im Verein gering bleibt. Der Verein mag so zwar die ernsthafte Absicht haben, auch die Interessen der deutschen OSM-Community zu vertreten, es handelt sich aber dabei ganz klar nicht um eine demokratische Vertretung durch Repräsentanten aus der Mitte der Community selbst, sondern durch Träger eigener professioneller Interessen, welche nicht zwingend mit den kollektiven Interessen der Community übereinstimmen, sondern diese bestenfalls als wohlwollender Treuhänder wahrnehmen (aber mit unvermeidlichen Interessenkonflikten).

Mein Vorschlag

Ich denke, der FOSSGIS-Verein steht hier an einem Scheideweg. Der latente Konflikt, der Ende 2017 damit begonnen hat, dass der FOSSGIS formell zur lokale Vertretung für OpenStreetMap in Deutschland geworden ist und den der Verein über acht Jahre nicht wirklich aufgelöst hat, könnte sich hier definitiv entscheiden. Wird sich der Verein substantiell der Hobby-Mapper-Community in Deutschland öffnen – in dem Sinne, dass Mapper nicht nur willkommen sind, sich in die bestehende Vereinskultur zu assimilieren, sondern auch in dem Sinne, dass sie den Verein tatsächlich mit ihrer eigenen Kultur erweitern und umgestalten? Oder wird der Verein zwar das Aushängeschild OpenStreetMap Deutschland weiter vor sich her tragen, aber ausschließlich als Label für seine eigenen professionellen Aktivitäten und die seiner Mitglieder?

Dass diese Frage nicht ausschließlich von den Entscheidungen im FOSSGIS abhängt, sondern auch davon, ob die Mapper-Community in Deutschland es schafft, sich unabhängig von professionellen Interessen nachhaltig zu organisieren, hatte ich ja bereits erwähnt. Aber man macht es sich im FOSSGIS zu einfach, wenn man behauptet, dass man ja offen ist für alle, die sich engagieren wollen. Denn das stimmt – wie gesagt – nur für diejenigen, die bereit sind, sich weitreichend an die bestehende Vereinskultur anzupassen.

Vor diesem Hintergrund wäre mein Vorschlag für die Mitglieds-Beiträge:

  • die Unterscheidung Erwerbstätige/nicht Erwerbstätige abschaffen.
  • den normalen Mitgliedsbeitrag senken, dadurch ein Signal senden, dass man sich explizit gegenüber FOSS-Anwendern/Entwicklern und Mappern ohne wirtschaftliche Interessen im Verein öffnet. Vorschlag: EUR 30.
  • für OSM-Aktive (man könnte hier die Definitionen der OSMF übernehmen) einen deutlich reduzierten Beitrag festlegen. Vorschlag: EUR 10.
  • einen Förder-Beitrag für Individual-Mitglieder schaffen, vorgesehen für alle, welche substantielles Einkommen aus FOSS-Entwicklung, FOSS-Anwendung oder der Verwendung von OSM-Daten beziehen, aber darüber hinaus auch offen für alle Mitglieder auf freiwilliger Basis. Vorschlag: EUR 90.
  • Unternehmens-Mitgliedschaften gestaffelt nach Mitarbeiter-Anzahl/Umsatz. Der Vorschag aus der Mitglieder-Versammlung scheint hier sinnvoll mit Ausnahme der Idee für Solo-Selbstständige. Die Idee, dass ein abhängig Beschäftigter mit FOSS/OSM-Bezug generell einen geringeren Mitglieds-Beitrag zahlen soll, als Selbstständige, scheint mir nicht sachlich begründbar. Genausowenig die alternative Lesweise, dass Solo-Selbstständige neben der Individual-Mitgliedschaft noch eine unabhängige Unternehmens-Mitgliedschaft haben können/sollen. Eine Förder-Mitgliedschaft für alle Mitglieder mit professionellem FOSS/OSM-Bezug scheint mir deshalb sinnvoller.

Daneben – und das ist im Grunde wichtiger als die Mitglieds-Beiträge – wäre es von fundamentaler Bedeutung dafür, dass der FOSSGIS sich ernsthaft als Vertretung von OpenStreetMap in Deutschland darstellen kann, dass alle Aktivitäten des Vereins mit OSM-Bezug für die breite Beteiligung der deutschen OSM-Community geöffnet werden und keine geschlossenen Veranstaltungen nur für Mitglieder des Vereins sind. Ich halte das für sehr wichtig, sehe aber auch, dass diese Idee im Verein sehr wenig populär sein dürfte. Die Art und Weise wie in der Vergangenheit oft kommuniziert wurde: Das regeln wir vereinsintern, da haben Externe nichts mitzureden, spricht da eine recht deutliche Sprache. Aber wirklich substantielle Veränderungen gibt es halt nicht ohne Konflikte.

Zum Abschluss

Ich hoffe, dass diese Ausführungen den OSM-Aktiven in Deutschland, welche nicht Mitglieder im FOSSGIS sind, einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen im Verein gibt, der sich auch als ihre Vertretung präsentiert. Und dass meine Vorschläge vielleicht vor diesem Hintergrund Unterstützung oder zumindest positive Resonanz finden dahingehend, dass sie andere, insbesondere Hobby-Mapper, dazu animieren, ihre eigenen Ideen zu artikulieren.

Vielleicht stößt das Ganze damit, dass ich es hier öffentlich diskutiere, ja auch international auf Resonanz. Die Ausnahme-Position, in die sich der FOSSGIS mit einem Jahresbeitrag für normale Mapper von EUR 60 in der weltweiten OSM-Community platzieren würde, habe ich ja dargestellt.

Was ich daneben auch anmerken möchte ist, dass ich – und das habe ich auch in der Vergangenheit mehrmals betont – die offene Diskussions-Kultur im FOSSGIS-Verein als etwas sehr Positives wahrnehme. Sie ist allerdings bis jetzt fast vollständig auf Präsenz-Veranstaltungen begrenzt. Schafft es der Verein, diese Kultur auf digitalen Kanälen und über die Grenze der Vereins-Mitgliedschaft zu öffnen, hätte dies enormes Potential für eine produktive Zusammenarbeit mit der OSM-Community, gerade auch über Deutschland hinaus. In diesem Sinne möchte ich auch diesen Beitrag verstanden wissen – ich sehe zwar die Konflikte, wie ich sie hier herausgestellt habe, aber ich sehe auch das enorme Potential der Verbindung – wenn denn der kollektive Wille im Verein besteht, sich anzupassen und zu öffnen und eine wirklich neue Vielfalt im Verein zu akzeptieren und zu unterstützen.

Update: Ich habe eine Formulierung oben in Reaktion auf einen Kommentar geändert – siehe Diskussion unten.